11. Januar, 2026

Politik

Kältewelle verschlimmert Situation: Ukraine weiterhin unter Angriffen

Angesichts der extremen Kälte stellt sich die Situation in Kiew und weiteren ukrainischen Städten zunehmend als katastrophal dar. Dies wird durch die wiederholten Angriffe auf wesentliche Infrastruktur, die zu Ausfällen von Heizung, Strom und Wasserversorgung führen, weiter verschärft. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte in einer eindringlichen Videobotschaft, dass die russischen Streitkräfte durch massive Luftangriffe im Winter gezielt versuchen, die Lebensbedingungen in großen Städten unerträglich zu gestalten.

Selenskyj erläuterte weiter, dass die gegenwärtige Strategie Russlands die systematische Zerstörung von Energieinfrastruktur beinhalte. Die Hauptstadt Kiew sei zuletzt von diesen Angriffen betroffen gewesen, gefolgt von Angriffen in Städten wie Dnipro, Saporischschja und Krywyj Rih. Bereits zuvor sei auch Odessa Ziel der Angriffe gewesen. Angesichts dieser Bedrohung appelierte der Präsident an die lokalen Behörden, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.

Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, beschrieb die jüngsten Angriffe als die bislang verheerendsten in dem fast vierjährigen Krieg. Er empfahl den Einwohnern der Stadt dringend, Kiew zu verlassen, falls alternative, wärmere und sicherere Unterkünfte verfügbar seien. Premierministerin Julija Swyrydenko berichtete, dass zeitweise etwa 500.000 Haushalte in der Region Kiew von den Stromausfällen betroffen waren.

Obwohl einige Regionen bis zum Freitagabend wieder mit Strom versorgt werden konnten, bleibt die Lage angespannt, da vielerorts weiterhin stundenweise Stromabschaltungen notwendig sind. Um den Bürgern zumindest eine minimale Erleichterung zu verschaffen, wurden Notfallstationen eingerichtet, an denen sie sich aufwärmen, Wasser holen und ihre Mobilgeräte aufladen können. Zudem werden Krankenhäuser nunmehr mit mobilen Heizkesseln ausgestattet, um die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten.

In den späten Abendstunden wurde neuerlich Luftalarm ausgelöst, da russische Drohnen über der Region gesichtet wurden. Die Intensität der Angriffe blieb jedoch im Vergleich zum Vortag etwas geringer. In einer Gegenoffensive setzte die ukrainische Armee Raketenartillerie ein und traf damit ein Kraftwerk im russischen Belgorod.

Besonders beunruhigend ist der Einsatz der russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik bei den Angriffen auf die Westukraine, da sie potenziell auch Teile Westeuropas bedrohen könnte. Präsident Selenskyj verurteilte diese Entwicklung als einen schweren Rückschlag für die diplomatischen Bemühungen zur Deeskalation. Die deutsche Bundesregierung schloss sich dieser Einschätzung an und verurteilte das Vorgehen als Eskalation. Als Reaktion auf die erhöhten Spannungen hat sich Lettland entschieden, eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats zu fordern, um international auf die Krise zu reagieren.