11. März, 2026

Kahlschlag in Premstätten: AMS-Osram opfert 2.000 Jobs für die Simplify-Wende

Der österreichisch-deutsche Sensor-Riese AMS-Osram zieht die Reißleine: Trotz operativer Lichtblicke schickt Vorstandschef Aldo Kamper 2.000 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit.

Kahlschlag in Premstätten: AMS-Osram opfert 2.000 Jobs für die Simplify-Wende
AMS-Osram schockt mit Stellenabbau, aber die Aktie springt an. Warum der Fokus auf „Digital Photonics“ die Wende 2026 bringen könnte.

Die Nachricht schlug am Dienstagmorgen ein wie eine kontrollierte Sprengung in der steirischen Konzernzentrale. AMS-Osram, der einstige Hoffnungsträger der europäischen Halbleiterindustrie, startet eine brutale neue Sparrunde. Unter dem programmatischen Namen „Simplify“ sollen bis 2028 weitere 200 Millionen Euro an Kosten aus der Bilanz gefräst werden.

Der Preis für diese Rosskur ist hoch: 2.000 Stellen weltweit fallen dem Rotstift zum Opfer. Rund 1.000 dieser Jobs werden in Europa gestrichen, wobei vor allem Standorte in Deutschland wie Regensburg und die Lampenfertigung im Visier stehen. Österreich scheint nach ersten Angaben des Managements verschont zu bleiben.

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Für Vorstandschef Aldo Kamper ist dies kein Akt der Verzweiflung, sondern ein notwendiger „Schärfungsprozess“. Während das Unternehmen mit einem Schuldenberg kämpft, soll „Simplify“ die nötige Agilität zurückbringen, um im gnadenlosen Wettbewerb der Digital Photonics zu überleben.

„Wir schärfen unsere Wettbewerbsfähigkeit und gewinnen die finanzielle Flexibilität zurück“, so Kamper gewohnt analytisch.

Doch für die verbliebene Belegschaft ist es die nächste Hiobsbotschaft in einer scheinbar endlosen Sanierungsspirale.

Der Infineon-Deal als finanzieller Rettungsanker in stürmischer See

Die Radikalkur wird flankiert von einem strategischen Paukenschlag: Nur wenige Tage vor der Verkündung des Sparprogramms verkaufte AMS-Osram Teile seines nicht-optischen Sensorgeschäfts für rund 570 Millionen Euro an den Konkurrenten Infineon.

Dieser Befreiungsschlag ist das Herzstück des Entschuldungsplans. Rund 230 Mitarbeiter wechseln im Zuge dieser Transaktion den Arbeitgeber. Die Erlöse fließen direkt in den Rückkauf von Wandelanleihen und die Tilgung von Krediten, um den Pro-forma-Verschuldungsgrad von 3,3 auf 2,5 zu drücken.

Anleger reagierten elektrisiert auf die Nachricht. Die Aktie, die jahrelang als „Depotleiche“ galt, sprang zeitweise um 15 Prozent in die Höhe. Der Markt honoriert die Disziplin, mit der Kamper den Konzern auf sein Kerngeschäft – intelligente optische Halbleiter für Lichtemission und Sensorik – zuschneidet. AMS-Osram will nicht mehr alles können, sondern in der „Digital Photonics“ unangefochtener Weltmarktführer werden.

Operative Lichtblicke überstrahlen das Millionen-Minus in der Bilanz

Trotz des schmerzhaften Personalabbaus sendet die operative Entwicklung erste Signale der Besserung. Zwar steht unter dem Strich für das Geschäftsjahr 2025 immer noch ein Verlust von 129 Millionen Euro, doch im Vergleich zum Vorjahres-Debakel von minus 785 Millionen Euro ist dies ein beachtlicher Fortschritt. Der Umsatz stabilisierte sich bei 3,32 Milliarden Euro, wobei das Halbleiter-Kerngeschäft währungsbereinigt sogar um sieben Prozent zulegen konnte.

Beeindruckend ist vor allem die Profitabilität: Die bereinigte EBITDA-Marge kletterte auf 18,3 Prozent. AMS-Osram zeigt damit, dass der Motor im Inneren des Konzerns wieder rund läuft – auch wenn die Karosserie noch tief in den Schulden steckt. Für das laufende erste Quartal 2026 rechnet das Management mit einem Umsatz zwischen 710 und 810 Millionen Euro. Der Fokus liegt nun darauf, die Effizienzsteigerungen des Vorgängerprogramms „Re-establish the Base“ nahtlos in „Simplify“ zu überführen.

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Aldo Kampers Übergangsjahr: Geduldsprobe für leidgeprüfte Aktionäre

Doch bei aller Euphorie über die Sanierungserfolge mahnt Kamper zur Besonnenheit. 2026 bleibt ein „Übergangsjahr“ mit Risiken. Höhere Edelmetallpreise und Einmaleffekte durch die Portfolioreinigung werden die Marge kurzfristig belasten. Analysten wie die Experten von Jefferies bleiben daher vorsichtig und stufen die Aktie auf „Hold“ ein, auch wenn Kursziele von bis zu 10,98 CHF (rund 11,70 Euro) in der Luft liegen.

Die Wette bei AMS-Osram ist klar: Gelingt der radikale Umbau, könnte der Konzern ab 2027 zum Highflyer im Bereich der optischen Sensorik für KI-Rechenzentren und Robotik aufsteigen. Scheitert die „Vereinfachung“, droht die Zerschlagung. Aldo Kamper hat sich für den harten Weg entschieden – für die 2.000 Betroffenen ein bitteres Urteil, für die Aktie möglicherweise die letzte Chance auf ein Comeback.