In der krisengeplagten Hauptstadt Kabul zeichnet sich ein bemerkenswerter Aufschwung im Luxusimmobilienmarkt ab. Omidullah, ein örtlicher Immobilienmakler, bietet eine prächtige Villa mit neun Schlaf- und Badezimmern im opulenten Weiß-Gold-Stil für 450.000 Dollar an. Ein stolzer Preis in einem Land, wo die Mehrheit der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen ist und Finanzprodukte wie Hypotheken kaum existieren. Dennoch häufen sich die Kaufangebote. Die Rückkehr von im Ausland lebenden Afghanen trägt maßgeblich zum Preisanstieg bei. Nachdem sich die Sicherheitslage verbessert hat, kehren viele mit Kapital zurück, darunter auch solche, die aus Iran und Pakistan repatriiert werden. Der relativ friedliche Zustand seit dem Rückzug ausländischer Truppen und der Machtübernahme durch die Taliban hat die Investitionsbereitschaft steigen lassen. Hypotheken sind selten, da den Banken das Einlagenvolumen für Kredite fehlt. Stattdessen wird häufig in bar bezahlt oder das 'Geerawi-System' genutzt, bei dem der Käufer dem Vermieter einen festen Betrag zur Nutzung des Hauses zahlt. Ghulam Mohammed Haqdoost, ein weiterer Immobilienexperte, berichtet von einem prosperierenden Markt. Der Wandel des Landes unter der Taliban-Herrschaft bringt klare Vorteile mit sich. Korruption und die Notwendigkeit, sich mit Warlords oder bestechlichen Beamten auseinanderzusetzen, sind zurückgegangen. Die strengere Einhaltung gesetzlicher und kommerzieller Vorschriften sorgt für einfachere Grundstückstransaktionen. Die Immobilienpreise seien um fast 40% gestiegen, und in den letzten drei Jahren wurden rund 400 Objekte verkauft. Haqdoost profitiert von dem Boom, beschäftigt er doch über 200 administrative Mitarbeiter, darunter speziell Frauen für weibliche Kundinnen, und rund 1.000 Angestellte in seiner Baufirma.
Wirtschaft
Kabul erlebt Immobilienboom: Frieden treibt Preise in die Höhe