Der Gewinnrückgang steht in der Bilanz, nicht im operativen Kern. JPMorgan Chase hat im vierten Quartal 13 Milliarden Dollar verdient – rund eine Milliarde weniger als ein Jahr zuvor. Wer genauer hinsieht, erkennt schnell: Das Minus ist hausgemacht und strategisch motiviert. Ohne eine hohe Einmalbelastung hätte die Bank ihre Ergebnisstärke sogar ausgebaut.
Eine Übernahme verschiebt die Gewinnrechnung
Auslöser der Belastung ist die Übernahme des Apple-Kreditkartengeschäfts von Goldman Sachs. Für das Portfolio hat JPMorgan eine Rückstellung für mögliche Kreditausfälle von 2,2 Milliarden Dollar gebildet. Der Effekt schlägt unmittelbar auf den Quartalsgewinn durch, ändert aber nichts an der wirtschaftlichen Substanz des Geschäfts.
Rechnet man die Sonderbelastung heraus, klettert der Gewinn auf 14,7 Milliarden Dollar. Damit übertrifft JPMorgan die Markterwartungen deutlich. Das Ergebnis je Aktie läge bereinigt klar über dem Vorjahresniveau. Für Analysten ist das die relevantere Kennzahl – und ein Signal, dass die operative Dynamik intakt ist.
Das Handelsgeschäft bleibt der zentrale Ertragstreiber
Den größten Beitrag lieferte erneut das Handelsgeschäft. Volatile Märkte, hohe Umsätze im Anleihe- und Derivatehandel sowie eine starke Position im Aktienhandel spielten der Bank in die Karten. JPMorgan profitiert dabei von seiner Größe, seiner technologischen Infrastruktur und einer breiten Kundenbasis, die von institutionellen Investoren bis zu Großunternehmen reicht.
Auch das Investmentbanking zeigte sich stabil. Die Gebühren beliefen sich im vierten Quartal auf 2,3 Milliarden Dollar, nur leicht unter dem Vorjahreswert. Angesichts eines insgesamt verhaltenen Umfelds für Börsengänge und große Übernahmen ist das ein solides Ergebnis. Wettbewerber mit stärkerem Fokus auf Kapitalmarkttransaktionen mussten teils deutlichere Rückgänge hinnehmen.
Das Kreditkartengeschäft gewinnt strategisch an Gewicht
Mit dem Apple-Deal stärkt JPMorgan gezielt sein Kreditkartensegment. Die Partnerschaft mit Apple bringt nicht nur Volumen, sondern auch Zugang zu einer kaufkräftigen, technologieaffinen Kundengruppe. Langfristig eröffnet das Cross-Selling-Potenziale, etwa bei Konsumentenkrediten, Zahlungsdiensten und digitalen Finanzangeboten.
Kurzfristig erhöht sich allerdings das Risiko. Das übernommene Portfolio stammt aus einem Marktsegment, das sensibel auf Konjunkturabkühlungen und steigende Zahlungsausfälle reagiert. Die hohe Rückstellung ist daher weniger als Warnsignal zu verstehen, sondern als konservative Vorsorge. JPMorgan folgt damit seiner bekannten Linie, Risiken frühzeitig bilanziell abzubilden.
Politische Eingriffe erhöhen die Unsicherheit
Der Zeitpunkt der Übernahme ist dennoch heikel. Ein politischer Vorstoß aus Washington sorgt für zusätzliche Nervosität in der Branche. US-Präsident Donald Trump hat vorgeschlagen, die Zinssätze für Kreditkarten auf zehn Prozent zu deckeln. Für Banken wäre das ein massiver Eingriff in ein Geschäftsfeld, das hohe Margen benötigt, um Ausfallrisiken zu kompensieren.
Ein Branchenverband warnte bereits, eine solche Regulierung könnte den Zugang zu Krediten für einkommensschwächere Haushalte und kleine Unternehmen einschränken. Für JPMorgan wäre der Effekt zwar spürbar, aber verkraftbar. Die Bank ist breiter diversifiziert als viele Wettbewerber und weniger abhängig vom Kreditkartengeschäft als reine Konsumentenbanken.
Jamie Dimon setzt weiter auf Ertragsbreite
Konzernchef Jamie Dimon verfolgt seit Jahren eine klare Strategie: maximale Ertragsdiversifikation, hohe Kapitalpolster und Investitionen in Technologie und Personal. Die Zahlen des vierten Quartals bestätigen diesen Ansatz. Schwächen in einem Bereich werden durch Stärke in anderen Segmenten ausgeglichen.
Auf Jahressicht verdiente JPMorgan 2025 rund 57 Milliarden Dollar, nach 58,5 Milliarden im Vorjahr. Der leichte Rückgang erklärt sich vor allem durch außergewöhnlich starke Vergleichszahlen und einzelne Sondereffekte. Operativ bleibt die Bank hochprofitabel und setzt weiterhin den Maßstab für die Branche