Das Wochenende gestaltete sich als militärische Herausforderung für Israel, als sich das Land gegen Hunderte von Drohnen und Raketen, die aus dem Iran abgefeuert wurden, zur Wehr setzte und dabei sein ausgeklügeltes Luftverteidigungssystem sowie entscheidende Unterstützung aus westlichen Staaten und arabischen Partnerländern demonstrierte. Obwohl einigen iranischen Raketen der Durchbruch durch Israels Luftverteidigung gelang und keine der kostengünstigen Diesel-Drohnen ihr Ziel erreichte, stellen sich Experten und israelische Militärs die Frage nach der Langfristigkeit der Abwehrfähigkeit angesichts eines stetig anwachsenden Arsenals von schätzungsweise zehntausenden Raketen und Drohnen.
Die strategische Ausgangslage verkompliziert sich weiterhin dadurch, dass ein erheblicher Vergeltungsschlag Israels gegen Teheran eine Eskalation regionaler Spannungen verursachen könnte, die von Israels Verbündeten so nicht erwünscht ist.
Israels erfolgreiche Abwehraktionen am letzten Wochenende wurden durch das hochgerüstete Luftverteidigungs-Netzwerk, das erheblich durch amerikanische Militärhilfe unterstützt wird, sowie durch Kooperation eines von den USA geführten Bündnisses ermöglicht. Wertvolle Unterstützung leisteten ebenso US- und britische Kampfflugzeuge in Kombination mit jordanischen Luftverteidigungssystemen.
Diese gemeinsamen Bemühungen stehen im Kontrast zum wachsenden Bedarf an "greifbarer Unterstützung" in der Ukraine, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Videoansprache betonte, in der er nicht nur den Angriff auf Israel verurteilte, sondern auch auf die Notwendigkeit von militärischer Hilfe für die Ukraine hinwies.
Die Schwere und das Ausmaß der iranischen Angriffe gegen Israel, als der erste direkte Angriff seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 wahrgenommen, legen nahe, dass eine ähnliche Belastungsprobe, wie sie die Ukraine erfährt, auf Israel zukommen könnte. Die Flutwelle an iranischen Raketen und Drohnen, die nach Schätzungen des Institute for the Study of War auf insgesamt über 300 in einer koordinierten Aktion abgezielt wurden, hatte den Zweck, Israels Luftverteidigung durch reine Masse zu überfordern.
Die Bedenken hinsichtlich der Effektivität der Luftverteidigung werden durch die Realität einer weltweiten Knappheit an Interzeptor-Raketen, die gegen ballistische Raketenangriffe effektiv sind, wie beispielsweise die im US-amerikanischen Patriot- und dem israelischen Arrow-System verwendeten, verstärkt. Dies wird zusätzlich durch langwierige Herstellungszeiten und immense Kosten belastet.
Angesichts dieses Szenarios und der geopolitischen Lage, in der Verbündete Israels eigene militärische und budgetäre Prioritäten ordnen und Rüstungshilfe für Drittstaaten wie die Ukraine und Taiwan im Kongress verhandelt werden, steht Israel möglicherweise vor der Herausforderung, seine Strategie und sein Bündniskonzept neu auszurichten.