01. Januar, 2026

Wirtschaft

Iran von Protestwelle erfasst: Wirtschaftskrise löst landesweite Demonstrationen aus

Die Protestwelle im Iran, die mittlerweile den fünften Tag in Folge anhält, richtet sich gegen die zunehmend prekäre Wirtschaftssituation und das autoritäre Staatsregime. Besonders in den städtischen Regionen des Landes ist die Präsenz von Sicherheitskräften massiv angestiegen, während in den ländlichen Gebieten ein hartes Durchgreifen der staatlichen Autoritäten zu verzeichnen ist. Diese Unruhen haben bislang mindestens drei Menschen das Leben gekostet.

Präsident Massud Peseschkian versuchte in einer von Spannungen geprägten Atmosphäre während eines Besuchs in einer Provinz, den Dialog mit den Bürgern zu suchen. Seit Mittwochabend gab es in den ländlichen Regionen intensive Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften, die insbesondere in den Gebieten von Lordegan im zentralen Süden Irans zu einem blutigen Höhepunkt führten. Nach Angaben der renommierten Menschenrechtsorganisation Hengaw starben dort zwei Demonstrierende. Diese Darstellung wird von der staatsnahen Agentur Fars bestätigt, die ebenfalls über zwei Todesopfer berichtet.

Es herrscht weiterhin Uneinigkeit zwischen den Berichten von Menschenrechtsorganisationen und staatlichen Medien. Ein weiteres tragisches Ereignis ereignete sich in Kuhdascht, Provinz Lorestan, wo ein 21-jähriger Mann zu Tode kam, ein Vorfall, den die staatlichen Medien als Verlust eines Basidsch-Mitglieds darstellten. Im Gegensatz dazu behauptet Hengaw, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen unbeteiligten Zivilisten handelte, der von Sicherheitskräften erschossen wurde. Bisher konnte kein unabhängiger Nachweis über den tatsächlichen Hergang erbracht werden.

Zusätzlich zu den gemeldeten Vorfällen setzen die Unruhen sich in weiteren Provinzen wie Fars, Tschahar Mahal und Bachtiari sowie Kermanschah fort. In Marwdascht fanden beispielsweise lautstarke Proteste mit Hupkonzerten statt, woraufhin schwer bewaffnete paramilitärische Einheiten hart gegen die Demonstrierenden vorgingen. Die genaue Teilnehmerzahl der Proteste in dem dicht besiedelten Land mit etwa 90 Millionen Einwohnern bleibt weiterhin unklar.

Auslöser der aktuellen Protestbewegung war ein abruptes Absinken des Kurses des iranischen Rials am vorausgegangenen Sonntag, das zunächst zu einer breiten Beteiligung von Händlern in Teheran führte. Inzwischen haben sich die Demonstrationen jedoch auf verschiedene gesellschaftliche Schichten und geografische Regionen ausgeweitet, einschließlich der mobilisierenden Studierendengruppen, die traditionell eine entscheidende Rolle bei früheren Protesten spielten.

Präsident Peseschkian äußerte bei seinem Besuch in Tschahar Mahal und Bachtiari selbstkritische Einschätzungen und warnte vor einer zunehmenden politischen Spaltung im Land. Er versprach bedeutende Wirtschaftsreformen, darunter die Abschaffung von Subventionen, die aktuell vor allem importabhängigen Unternehmen zugutekommen, zugunsten direkter finanzieller Unterstützung der Endverbraucher. Der gemäßigte Konservative identifizierte offen die Fehlleistungen von Staat und Banken als mitverantwortlich für die aktuelle, von hoher Inflation getriebene Wirtschaftskrise, die die Kaufkraft der Bevölkerung drastisch verringert hat. In einer eindringlichen Mahnung kommentierte Peseschkian: „Unser Platz in der Hölle ist, wenn wir die Probleme der Lebensgrundlage der Menschen nicht lösen“ und verdeutlichte damit die zugespitzte Dringlichkeit der Lage.