09. April, 2026

Global

Iran kassiert Hormus-Maut trotz Waffenruhe: Bis zu zwei Millionen Dollar pro Schiff

Satellitenbilder zeigen: Schnellboote fangen Frachter ab, erzwingen Genehmigungen, drohen mit Zerstörung. Maut wird dauerhaft erhoben – auch nach Friedensschluss. Bis zu zwei Millionen Dollar pro Transit, zahlbar in Yuan oder Krypto. 2000 Schiffe mit 20.000 Seeleuten sitzen fest.

Iran kassiert Hormus-Maut trotz Waffenruhe: Bis zu zwei Millionen Dollar pro Schiff
Iran erhebt dauerhaft Maut in Hormus. Bis zu zwei Millionen Dollar pro Transit, zahlbar in Yuan oder Krypto. Satellitenbilder zeigen: Schnellboote fangen Frachter ab.

Die USA und der Iran haben sich auf eine Waffenruhe geeinigt, die Straße von Hormus soll wieder freigegeben werden. Doch nicht nur, dass diese Vereinbarung brüchig ist. Das Mullah-Regime im Iran will den Schiffsverkehr durch die Meerenge nach wie vor kontrollieren und dauerhaft Transitgebühren erheben – so wie schon seit einigen Wochen.

Es betrachte dies offenbar als Grundlage für jeden möglichen Friedensvertrag mit den Vereinigten Staaten und Israel, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Regierungsvertreter. Ob sich der Iran damit durchsetzen kann, ist noch unklar. Doch die Satellitenbilder zeigen: Iran meint es ernst. Die Revolutionsgarden patrouillieren, kontrollieren, kassieren.

Die Höhe der Maut hänge von der Art des Schiffes, der Ladung und weiteren Faktoren ab. Dabei werden offenbar bis zu zwei Millionen Dollar pro Transit fällig, zu zahlen in chinesischen Yuan oder Kryptowährung. Das ist Erpressung im industriellen Maßstab. Wer nicht zahlt, darf nicht durch. Wer nicht durch darf, verliert Zeit, Geld, Kunden.

Satellitenbilder zeigen brutale Kontrolle durch Schnellboote

Ein Satellitenbild vom Dienstag zeigt, wie die iranischen Revolutionsgarden in der Straße von Hormus vorzugehen scheinen. Das gibt einen Einblick, wie das Land die Maut wohl auch künftig organisieren will. So zeigt die Aufnahme, wie offenbar Schnellboote im internationalen Teil der Durchfahrt patrouillieren, um eine Passage zu verhindern. Die gesamte Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman ist nur 34 Kilometer breit. Dass ein großer Tanker oder Frachter unbemerkt durchschlüpft, ist praktisch ausgeschlossen.

Die US-Zeitung „Wall Street Journal" zitierte ein Besatzungsmitglied eines Schiffes. Demnach sei per Funk mitgeteilt worden, dass eine Genehmigung der Sepah-Marine für eine Passage eingeholt werden müsse. „Jedes Schiff, das versucht, ohne Genehmigung durchzufahren, wird zerstört." Die Sepah-Marine ist der maritime Arm der Iranischen Revolutionsgarden. Das ist keine Verhandlung. Das ist eine Drohung.

Zwangskontrolle zwischen den Inseln Larak und Qeschm

Schiffe, die eine Genehmigung des Iran besitzen, steuern vom Persischen Golf aus eine Durchfahrt zwischen den Inseln Larak und Qeschm an, die beide in iranischen Gewässern liegen. Dort werden sie auf der Satellitenaufnahme von weiteren Schnellbooten abgefangen, die vermutlich die Angaben der Schiffe und ihrer Reeder kontrollieren.

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Laut dem Branchendienst Lloyd's List muss zuvor jedes Schiff, das passieren will, einen offiziellen Antrag im Iran stellen. Die Reedereien müssen dazu umfangreiche Informationen über Eigentum, Management, Finanzierung, Versicherung, Handelshistorie und Charterverträge vorlegen. Das ist keine Sicherheitskontrolle. Das ist totale Überwachung.

Anschließend werde eine vorläufige Freigabe erteilt. Das Schiff erhält eine Reihe von Wegpunkten, an denen entlang es sich bewegen muss. Mitunter wird es von Schnellbooten der Revolutionsgarden begleitet. In manchen Fällen wird auch eine Inspektion an Bord des Schiffes angeordnet. Seit der Verkündung der Waffenruhe sind keine Änderungen an dieser Prozedur seitens des Iran bekannt geworden. Im Staatsfernschen wurde am Mittwochnachmittag die Passage eines Schiffes bekannt gegeben.

Waffenruhe garantiert keine freie Passage – Iran behält Kontrolle

In einer von US-Präsident Donald Trump auf Truth Social veröffentlichten Nachricht des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi, in der dieser einer Waffenruhe zustimmt, heißt es: „Für einen Zeitraum von zwei Wochen wird eine sichere Passage durch die Straße von Hormus möglich sein, via Koordination mit dem iranischen Militär und unter Beachtung technischer Einschränkungen." Was das genau heißt, darüber rätselt die ganze Schifffahrtsbranche.

Der Verband Deutscher Reeder gibt sich zurückhaltend optimistisch. „Aber sämtliche Details oder Informationen darüber, wie das Ganze jetzt über die Bühne gehen soll, gibt es nicht", so ein Sprecher. Die Sicherheitsbehörden in Deutschland raten derweil weiterhin davon ab, die Straße zu passieren, und warnen auch davor, eine Maut zu zahlen.

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Das ist das eigentliche Problem. Die Waffenruhe garantiert keine freie Passage. Sie garantiert nur, dass Iran nicht mehr schießt – solange die Schiffe zahlen, sich kontrollieren lassen, gehorchen. Das ist keine Freiheit. Das ist Unterwerfung.

Maut verstößt gegen UN-Seerechtsübereinkommen

Tatsächlich ist eine solche Maut international eigentlich ausgeschlossen. So gilt nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen das Prinzip der Transitdurchfahrt, das eine freie und ungehinderte Passage garantiert. Es sei erforderlich, dass bei der Wiederaufnahme „ein freier, sicherer und auch gebührenfreier Seeschiffsverkehr sichergestellt wird", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Doch was interessiert Iran das UN-Seerechtsübereinkommen? Das Regime sitzt an der engsten Stelle der wichtigsten Öl-Transitroute der Welt. Es hat die Macht, es nutzt die Macht. Die UN können protestieren, das Auswärtige Amt kann mahnen – solange niemand bereit ist, militärisch einzugreifen, wird Iran weiter kassieren.

Frankreich plant defensive Mission – in Abstimmung mit Iran

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, mit rund 15 weiteren Staaten den Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Meerenge wieder zu ermöglichen. Unter Führung Frankreichs werde eine solche „rein defensive Mission" gerade geplant, in Abstimmung mit dem Iran.

Das klingt gut, ist aber lächerlich. Eine Mission „in Abstimmung mit dem Iran" bedeutet: Iran gibt grünes Licht, solange die Schiffe zahlen. Frankreich schützt die Passage – aber nicht vor Iran, sondern mit Irans Erlaubnis. Das ist keine Lösung. Das ist Kapitulation.

2000 Schiffe mit 20.000 Seeleuten sitzen fest

Seit Ausbruch des Irankrieges Ende Februar sitzen im Persischen Golf mehr als 2000 Handelsschiffe mit etwa 20.000 Seeleuten an Bord fest. Sechs Schiffe von Deutschlands größter Containerreederei Hapag-Lloyd sind nach Angaben des Unternehmens weiterhin im Persischen Golf. Hapag-Lloyd hoffe, die Schiffe und vor allem die Crews möglichst bald aus der Region herauszubekommen, sagte Konzernchef Rolf Habben Jansen in einem Kunden-Call. Die jüngste Entwicklung sei aber positiv. „Wir hoffen, in den nächsten Monaten zur Normalität zurückkehren zu können."

Doch was ist Normalität? Wenn Normalität bedeutet, dass Iran künftig dauerhaft Maut kassiert, ist das keine Rückkehr zur Normalität. Das ist eine neue, schlechtere Realität. Die Frage ist: Zahlen die Reedereien – oder weichen sie aus? Und wenn sie ausweichen, wohin?

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