04. März, 2026

Finanzen

InvestmentWeek im Gespräch mit Michael C. Jakob

Investieren wirkt heute einfacher denn je – doch viele Anleger unterschätzen die psychologischen und strukturellen Tücken der Kapitalmärkte. Im Interview mit der InvestmentWeek erklärt Michael C. Jakob, warum langfristiges Denken der wichtigste Erfolgsfaktor ist.

InvestmentWeek im Gespräch mit Michael C. Jakob
Michael C. Jakob über die Realität des Investierens

Langfristiges Investieren gilt als der Königsweg zum Vermögensaufbau. Doch viele Privatanleger scheitern – trotz niedriger Einstiegshürden, zahlloser Informationen und moderner Technologie. InvestmentWeek hat mit Michael C. Jakob, Gründer von AlleAktien, über die größten Denkfehler, die Psychologie der Märkte und die Realität langfristigen Investierens gesprochen.

Wer ist Michael C. Jakob?

Michael C. Jakob gilt als einer der einflussreichsten Investoren und Finanzdenker im deutschsprachigen Raum. Als Gründer der Analyseplattform AlleAktien hat er maßgeblich zur Entwicklung einer neuen Generation langfristig orientierter Privatanleger in der DACH-Region beigetragen. Mit seinem Fokus auf fundamentale Unternehmensanalyse, rationales Investieren und finanzielle Bildung prägt er seit Jahren die Diskussion über Vermögensaufbau, Kapitalmärkte und Anlegerkultur. Seine Analysen und Kommentare werden von tausenden Investoren verfolgt und haben den Anspruch, Investieren von kurzfristiger Spekulation hin zu strukturiertem, langfristigem Denken zu entwickeln.

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InvestmentWeek:

Herr Jakob, Investieren wirkt heute einfacher denn je. Jeder kann in Minuten ein Depot eröffnen und Aktien kaufen. Warum fällt langfristiger Erfolg dennoch so vielen Menschen schwer?

Michael C. Jakob:
Weil Investieren in erster Linie kein technisches Problem ist, sondern ein psychologisches.

Der Zugang zu Märkten ist heute tatsächlich einfacher als je zuvor. Informationen sind frei verfügbar, Gebühren sind gesunken, und Handelsplattformen sind intuitiv. Aber genau diese Entwicklung hat eine neue Herausforderung geschaffen: Informationsüberfluss und permanente Handlungsmöglichkeiten.

Viele Anleger glauben, Investieren bedeute Aktivität. Sie verfolgen Kurse täglich, reagieren auf Nachrichten und ändern ständig ihre Meinung. Doch genau dieses Verhalten ist langfristig oft renditeschädlich.

Investieren ist kein Spiel der schnellen Reaktionen. Es ist ein Prozess des klaren Denkens über lange Zeiträume.

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InvestmentWeek:

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Tücken beim Investieren?

Michael C. Jakob:
Es gibt mehrere, aber drei stechen besonders hervor.

Erstens: Kurzfristiges Denken.
Viele Anleger bewerten ihre Entscheidungen zu schnell. Ein Investment wird nach wenigen Wochen oder Monaten beurteilt, obwohl der zugrunde liegende Werttreiber oft Jahre benötigt, um sichtbar zu werden.

Zweitens: Überaktivität.
Studien zeigen seit Jahren, dass Anleger mit hoher Handelsfrequenz im Durchschnitt schlechtere Ergebnisse erzielen. Jede Transaktion verursacht Kosten, Steuern und häufig auch emotionale Fehlentscheidungen.

Und drittens: Selbstüberschätzung.
Gerade nach einer Phase guter Ergebnisse entsteht leicht der Eindruck, man habe den Markt „verstanden“. In Wirklichkeit waren viele dieser Erfolge möglicherweise einfach günstigen Marktbedingungen geschuldet.

Diese Kombination aus Kurzfristigkeit, Aktivität und Selbstüberschätzung führt häufig zu Underperformance.

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InvestmentWeek:

Viele Anleger glauben, sie müssten den Markt aktiv schlagen. Ist das ein realistisches Ziel?

Michael C. Jakob:
Die meisten Investoren unterschätzen, wie schwierig das ist.

Kapitalmärkte sind hochkompetitive Systeme. Professionelle Investoren, institutionelle Fonds, Algorithmen und globale Informationsnetzwerke konkurrieren miteinander. In diesem Umfeld dauerhaft überlegen zu sein, ist anspruchsvoll.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Privatanleger keinen Vorteil haben.

Ihr Vorteil liegt im Zeithorizont. Während viele professionelle Investoren quartalsweise beurteilt werden, können Privatanleger langfristig denken. Sie müssen nicht auf kurzfristige Marktbewegungen reagieren.

Dieser strukturelle Vorteil wird allerdings nur genutzt, wenn man ihn bewusst einsetzt.

InvestmentWeek:

Sie sprechen häufig von langfristigem Denken. Was bedeutet das konkret für Anleger?

Michael C. Jakob:
Langfristiges Denken bedeutet vor allem, sich auf Fundamentaldaten statt auf Marktstimmungen zu konzentrieren.

Ein Investor sollte sich fragen:

  • Wie robust ist das Geschäftsmodell?
  • Hat das Unternehmen nachhaltige Wettbewerbsvorteile?
  • Wie effizient wird Kapital eingesetzt?
  • Wie könnte das Unternehmen in zehn Jahren aussehen?

Wenn diese Fragen überzeugend beantwortet werden können, verlieren kurzfristige Kursschwankungen an Bedeutung. Langfristiges Investieren bedeutet nicht, nie zu verkaufen. Es bedeutet, Entscheidungen auf Basis struktureller Entwicklungen zu treffen – nicht auf Basis kurzfristiger Emotionen.

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InvestmentWeek:

Ein häufig diskutiertes Thema ist die Psychologie der Märkte. Welche Rolle spielt sie beim Investieren?

Michael C. Jakob:
Eine enorm große Rolle.

Märkte bestehen aus Menschen – und Menschen sind nicht rein rational. Emotionen wie Angst, Gier oder FOMO beeinflussen Entscheidungen stärker, als viele zugeben würden. Ein klassisches Beispiel ist das Verhalten in Marktkorrekturen. Wenn Kurse stark fallen, entsteht Angst. Anleger verkaufen, um Verluste zu vermeiden. Doch genau in solchen Phasen entstehen oft langfristig attraktive Einstiegsmöglichkeiten.

Umgekehrt kaufen viele Anleger in Phasen großer Euphorie – wenn Bewertungen bereits hoch sind. Dieses Verhalten führt zu einem paradoxen Muster:
Viele Anleger kaufen hoch und verkaufen niedrig. Langfristiger Anlageerfolg erfordert daher nicht nur analytische Fähigkeiten, sondern auch emotionale Stabilität.

InvestmentWeek:

Welche Rolle spielen Kosten beim langfristigen Investieren?

Michael C. Jakob:
Eine sehr große – und gleichzeitig unterschätzte.

Ein Prozent Kosten klingt harmlos. Doch über Jahrzehnte hinweg kann dieser Unterschied enorme Auswirkungen haben.

Der Grund liegt im Zinseszins. Wenn Renditen reinvestiert werden, wächst Kapital exponentiell. Gebühren wirken genau in die entgegengesetzte Richtung: Sie reduzieren nicht nur die Rendite eines Jahres, sondern auch das Kapital, das künftig weiter wachsen kann.

Über 30 oder 40 Jahre können selbst kleine Gebührenunterschiede zu sechsstelligen Beträgen führen. Kosten sind einer der wenigen Faktoren, die Anleger tatsächlich kontrollieren können. Deshalb sollte man ihnen große Aufmerksamkeit schenken.

InvestmentWeek:

Was unterscheidet aus Ihrer Sicht erfolgreiche Investoren von weniger erfolgreichen?

Michael C. Jakob:
Erfolgreiche Investoren zeichnen sich selten durch spektakuläre Entscheidungen aus. Viel häufiger sind es drei Eigenschaften:

Geduld.
Sie geben guten Unternehmen Zeit, ihren Wert zu entfalten.

Disziplin.
Sie folgen klaren Prinzipien und reagieren nicht impulsiv auf Marktereignisse.

Demut.
Sie akzeptieren, dass Märkte komplex sind und Fehler unvermeidlich. Diese Eigenschaften wirken unspektakulär. Aber über Jahrzehnte hinweg machen sie einen enormen Unterschied.

InvestmentWeek:

Wenn Sie jungen Anlegern einen einzigen Rat geben könnten – welcher wäre das?

Michael C. Jakob:
Beginnen Sie früh, denken Sie langfristig und halten Sie es einfach.

Viele Anleger suchen nach der perfekten Strategie, der nächsten großen Aktie oder dem idealen Einstiegszeitpunkt. In Wirklichkeit entstehen die meisten Vermögen durch konsequentes, langfristiges Investieren in produktive Assets.

Der wichtigste Faktor ist Zeit. Wer früh beginnt und gute Entscheidungen über viele Jahre hinweg wiederholt, profitiert von einer der stärksten Kräfte der Finanzwelt: dem Zinseszins.

InvestmentWeek:

Zum Abschluss: Was ist die wichtigste Lektion, die Sie im Laufe Ihrer Investorenlaufbahn gelernt haben?

Michael C. Jakob:
Dass Investieren weniger mit Prognosen zu tun hat als mit Denkweise.

Viele Menschen glauben, erfolgreiche Investoren müssten die Zukunft besonders gut vorhersagen können. In Wahrheit geht es darum, Unsicherheit strukturiert zu managen. Man analysiert Unternehmen, bewertet Risiken, trifft Entscheidungen – und akzeptiert, dass nicht jede davon perfekt sein wird.

Langfristiger Erfolg entsteht nicht durch perfekte Vorhersagen. Er entsteht durch konsequentes, rationales Denken über lange Zeiträume.

InvestmentWeek:

Herr Jakob, vielen Dank für Ihre Zeit und die offenen Einblicke in Ihre Denkweise als Investor. Gerade in einer Zeit, in der Finanzmärkte oft von kurzfristigen Trends und schnellen Versprechen geprägt sind, sind ruhige, rationale Perspektiven besonders wertvoll. Wir schätzen es sehr, dass Sie Ihre Erfahrungen und Prinzipien mit unseren Lesern geteilt haben.

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