Der sich verschärfende Konflikt zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und Jerome Powell, dem Vorsitzenden der Federal Reserve, hat jüngst eine neue Eskalationsstufe erreicht. In einer überraschenden Stellungnahme bestritt Powell vehement jegliche strafrechtlichen Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, und verurteilte diese als Versuch, die Unabhängigkeit der Federal Reserve zu untergraben. Powell weist darauf hin, dass die Drohung einer Anklage eine Reaktion auf die geldpolitischen Entscheidungen der Fed sei, die primär im öffentlichen Interesse getroffen werden und nicht den Wünschen des Präsidenten entsprechen. Trotz der erhobenen Vorwürfe betonte Powell seine Entschlossenheit, weiterhin integritätstreu für die amerikanische Bevölkerung zu arbeiten.
Am letzten Freitag übermittelte das US-Justizministerium Vorladungen an die Federal Reserve und kündigte eine mögliche Anklage gegen Powell an. Die Vorwürfe gegen ihn betreffen angebliche Falschaussagen vor dem Senat im Zusammenhang mit der teuren Renovierung der Fed-Gebäude. Powell sieht jedoch in diesen Anschuldigungen einen Vorwand, um den Druck auf die Zentralbank zu erhöhen und damit deren geldpolitische Unabhängigkeit zu gefährden. Er forderte eindringlich, dass die Federal Reserve in der Lage sein müsse, ihre Zinspolitik unbeeinflusst von politischem Druck auszuüben.
Kritik wurde auch seitens der Republikaner laut. Senator Thom Tillis äußerte ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Justizministeriums in diesem Verfahren. Tillis ging sogar so weit, die Bestätigung neuer Kandidaten für die Fed im Finanzausschuss des Senats blockieren zu wollen, solange die Ermittlungen gegen Powell nicht abgeschlossen seien. Auch die demokratische Senatorin Elizabeth Warren verurteilte die vermeintliche Einflussnahme Trumps auf die Zentralbank und bezeichnete dieses Vorgehen als korrupt.
Die Beweggründe für das plötzliche Einschreiten des Justizministeriums gegen Powell bleiben unklar, besonders angesichts der Tatsache, dass seine Amtszeit im Mai endet. Präsident Trump plant, bereits im Januar seinen bevorzugten Kandidaten für Powells Nachfolge bekannt zu geben. Sollte jedoch die Blockadehaltung von Senator Tillis andauern, könnten Trumps Pläne ins Wanken geraten, falls er keine Mehrheit im Finanzausschuss erreicht. Trotz dieser Herausforderungen bleibt Powell entschlossen und widerstandsfähig, obwohl er bisher stets eine zurückhaltende Haltung gegenüber der Trump-Regierung bewahrte und Konfrontationen vermied.
Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind weiterhin gravierend, da Präsident Trump unvermindert auf eine Senkung des Leitzinses drängt, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Die Federal Reserve hatte den Leitzins zuletzt im Dezember gesenkt, als Reaktion auf die Schwäche des Arbeitsmarktes. Im November wurde eine Inflationsrate von 2,7 Prozent verzeichnet, die über dem von der Fed angestrebten Ziel von rund 2 Prozent liegt. Trotz des Drucks steht die Federal Reserve vor der zentralen Aufgabe, sowohl die Stabilität der Preise als auch die Vollbeschäftigung zu gewährleisten.
Zu den weiteren Spannungen trägt bei, dass auch Fed-Gouverneurin Lisa Cook ins Visier von Trumps Entlassungspolitik geraten ist, nachdem ihr Hypothekenbetrug vorgeworfen wird, was sie jedoch entschieden bestreitet. Dieser Fall ist derzeit vor dem Obersten Gericht der USA anhängig, das Trump zuletzt mit einer ungünstigen Entscheidung konfrontierte. Die Entwicklungen in dieser Angelegenheit bleiben von großem Interesse, da sie die Unabhängigkeit der US-Zentralbank in der Zukunft entscheidend beeinflussen könnten.