Rasantes Wachstum, schwache Auslastung
Der Konzern, der bis 2025 unter dem Namen HR Group firmierte, war in den vergangenen Jahren aggressiv expandiert. Zuletzt übernahm Gründer und Eigentümer Ruslan Husry Dutzende zusätzliche Standorte, darunter 60 Häuser der Marke H-Hotels sowie weitere zehn Hotels von H World International. Die Übernahmen waren teuer – und sie trafen auf eine Nachfrage, die hinter den internen Erwartungen zurückblieb.
Nach Angaben von Branchenbeobachtern konnten die Übernachtungszahlen das Tempo der Expansion nicht annähernd mitgehen. Der für 2025 geplante Umsatz wurde deutlich verfehlt, die Liquiditätsreserven reichten nicht mehr aus, um den Schuldendienst zu tragen.

Hohe Schulden, jahrelange Verluste
Unternehmensdaten zufolge erzielte die Gruppe zuletzt rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz, schrieb aber seit mehr als einem Jahrzehnt keine Gewinne. Bereits vor dem Insolvenzantrag soll Revo mit knapp 20 Millionen Euro überschuldet gewesen sein. Die finanzielle Schieflage blieb lange im Hintergrund, weil der Konzern stetig neue Hotels in sein Portfolio integrierte und damit Größe demonstrierte – wirtschaftliche Erträge blieben jedoch aus.
Die Gruppe betreibt eigene Marken wie Vagabond, Hyperion und Aedenlife und ist zugleich Franchisepartner internationaler Ketten wie Accor, Hyatt, Wyndham und der InterContinental Hotel Group. Insgesamt gehören rund 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern zum Netzwerk.
Warnsignale aus der Branche
Dass es eng wird, zeichnete sich schon seit Monaten ab. Der französische Hotelriese Accor hatte nach Branchenangaben zeitweise die Buchungssysteme für mehrere von Revo betriebene Häuser gesperrt – ein deutliches Zeichen für wachsende Zweifel an der Zahlungsfähigkeit des Partners.
Der Insolvenzantrag betrifft nun rund 140 Gesellschaften, die beim Amtsgericht Charlottenburg Schutz in Eigenverwaltung beantragt haben. Damit bleibt die operative Kontrolle zunächst beim bisherigen Management, flankiert von gerichtlich bestellten Sanierungsexperten.
Insolvenzverwalter setzen auf Fortführung
Die vorläufigen Sachwalter Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von der Kanzlei GT Restructuring zeigen sich vorsichtig optimistisch. Für die Monate Januar bis März 2026 wurde eine Vorfinanzierung der Löhne über die Bundesagentur für Arbeit beantragt. Ziel ist es, den Hotelbetrieb ohne Unterbrechung fortzuführen und parallel eine Restrukturierung einzuleiten.

Geiser spricht von „guten Aussichten auf eine zügige Sanierung“, de Bruyn sieht die Eigenverwaltung als Chance, den Konzern zu stabilisieren und für Investoren attraktiv zu machen. Gespräche mit internationalen Geldgebern sollen zeitnah beginnen.
Gläubiger müssen mit Verlusten rechnen
Trotz der Fortführungspläne dürfte die Sanierung für Vermieter, Lieferanten und andere Gläubiger schmerzhaft werden. Nach Einschätzung aus Verfahrenskreisen könnten am Ende nur Bruchteile der offenen Forderungen beglichen werden. Vergleichbare Fälle in der Branche zeigen, dass im Zuge solcher Verfahren oft Pachtverträge gekündigt und Standorte aufgegeben werden.
Für Revo ist der Insolvenzantrag der vorläufige Höhepunkt einer Strategie, die auf schnelles Wachstum setzte, ohne dass Erträge und Auslastung Schritt hielten. Ob es gelingt, das weitverzweigte Hotelnetz unter einem neuen Eigentümer zu stabilisieren, dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden.

