03. Januar, 2026

Politik

Grenzkontrollen wirken: Illegale Einreisen brechen um 50 Prozent ein

Der drastische Rückgang kommt nicht schleichend, sondern messbar und abrupt. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl unerlaubter Einreisen nach Deutschland halbiert – ein Befund, der die Migrationsdebatte neu sortiert und der Bundesregierung Rückenwind verschafft.

Grenzkontrollen wirken: Illegale Einreisen brechen um 50 Prozent ein
Dobrindts Kurs zeigt Wirkung – warum Deutschlands Grenzen plötzlich dicht sind

Grenzkontrollen verändern die Statistik spürbar

Der zeitliche Zusammenhang ist eindeutig. Seit Mitte September 2024 kontrolliert Deutschland wieder an sämtlichen Landesgrenzen. Zuvor galten Kontrollen nur punktuell. Die Maßnahme widerspricht zwar dem Geist des Schengen-Raums, ist rechtlich jedoch als befristete Ausnahme zulässig. Sie wurde mittlerweile zweimal verlängert.

Seit Einführung der flächendeckenden Kontrollen registrierte die Bundespolizei 67.918 unerlaubte Einreisen. 46.426 Menschen wurden unmittelbar an der Grenze oder im Zusammenhang mit dem illegalen Grenzübertritt zurückgewiesen oder zurückgeschoben. Weitere 2.513 Personen scheiterten bereits an der Einreise, weil gegen sie Wiedereinreisesperren bestanden. Zudem nahmen die Beamten 1.945 mutmaßliche Schleuser fest.

Die Zahlen markieren eine Zäsur. Deutschland hat die faktische Durchlässigkeit seiner Grenzen reduziert – nicht nur symbolisch, sondern operativ.

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Der politische Kurswechsel wird exekutiv umgesetzt

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat diesen Kurs im Mai 2025 noch einmal verschärft. Die Grenzkontrollen, die bereits unter der vorherigen Ampel-Regierung eingeführt worden waren, wurden intensiviert. Neu ist vor allem die Praxis, auch Asylsuchende an der Grenze zurückzuweisen – mit Ausnahmen für sogenannte vulnerable Gruppen wie Kranke, Schwangere oder Minderjährige.

Seit dem 8. Mai 2025 zählte die Bundespolizei 33.338 unerlaubte Einreisen. Lediglich 242 Menschen aus vulnerablen Gruppen äußerten ein Asylgesuch. Die Zahl ist bemerkenswert niedrig und verdeutlicht, wie stark der Zugang zum deutschen Asylsystem faktisch begrenzt wurde.

Dobrindt setzt damit auf Abschreckung durch Kontrolle. Die Logik: Wer weiß, dass er an der Grenze abgewiesen wird, macht sich gar nicht erst auf den Weg.

Schengen gerät unter Druck

Der Erfolg der Kontrollen wirft zugleich eine grundsätzliche europäische Frage auf. Der Schengen-Raum basiert auf offenen Binnengrenzen. Dauerhafte Kontrollen untergraben dieses Prinzip – selbst wenn sie formal befristet sind. Deutschland steht mit seinem Vorgehen nicht allein da. Auch andere EU-Staaten haben Grenzkontrollen wieder eingeführt oder verlängert.

Faktisch entsteht ein Europa der temporären Ausnahmen, das sich immer weiter vom ursprünglichen Integrationsversprechen entfernt. Politisch ist das brisant, juristisch eine Grauzone. Die EU-Kommission toleriert die Maßnahmen bislang, wohl auch mangels Alternativen.

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Sicherheitsbehörden gewinnen Handlungsspielraum

Für die Bundespolizei bedeuten die Kontrollen eine operative Entlastung. Weniger unerlaubte Einreisen erleichtern Kontrolle, Registrierung und Rückführungen. Die hohe Zahl an Zurückweisungen zeigt, dass die Beamten nicht mehr nur reagieren, sondern aktiv steuern.

Auch die Festnahme von fast 2.000 Schleusern seit September 2024 unterstreicht den präventiven Effekt. Schleusungsrouten werden unattraktiver, wenn die Erfolgswahrscheinlichkeit sinkt.

Der innenpolitische Effekt ist kalkuliert

Der Rückgang der Zahlen dürfte politisch nicht folgenlos bleiben. Migration war eines der dominierenden Themen der vergangenen Jahre. Hohe Zugangszahlen hatten Vertrauen gekostet – in staatliche Steuerungsfähigkeit ebenso wie in europäische Lösungen.

Die aktuellen Zahlen liefern nun ein Gegenargument. Sie zeigen, dass nationale Maßnahmen kurzfristig wirken können. Für die Union ist das ein Beleg für die eigene Linie, für die SPD eine heikle Gratwanderung, für die Grünen ein offener Konflikt.

Die Statistik löst nicht jedes Problem

So eindrucksvoll der Rückgang ist – er beantwortet nicht alle Fragen. Grenzkontrollen verlagern Migrationsbewegungen, sie lösen Fluchtursachen nicht. Zudem bleibt offen, wie dauerhaft die Wirkung ist. Migration reagiert sensibel auf politische Signale, aber auch auf internationale Krisen.

Der jetzige Befund ist daher weniger ein Endpunkt als eine Momentaufnahme. Eine, die zeigt, wie schnell sich Zahlen verändern lassen, wenn der Staat bereit ist, bestehende Regeln anders zu interpretieren.

Und genau darin liegt die eigentliche politische Sprengkraft dieser Statistik.

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