Geopolitische Eskalation und Zinswetten treiben die Notierung auf Rekordniveau
Der Goldpreis hat am Montag, den 26. Januar 2026, ein neues Allzeithoch von über 5.000 US-Dollar pro Feinunze erreicht. Diese Entwicklung markiert die Fortsetzung einer historischen Rallye, in der das Edelmetall bereits im Jahr 2025 um 64 Prozent an Wert zulegte – der stärkste jährliche Anstieg seit 1979.
Im laufenden Jahr 2026 verzeichnet Gold bereits ein Plus von weiteren 18 Prozent. Als primäre Kurstreiber identifizieren Analysten eine Mischung aus Safe-Haven-Nachfrage und spekulativen Wetten auf US-Zinssenkungen. Die geopolitische Risikoprämie ist dabei so hoch wie selten zuvor.
Insbesondere die handelspolitischen Maßnahmen unter US-Präsident Donald Trump sowie die jüngste Festnahme des venezolanischen Führers Nicolas Maduro haben die Volatilität an den Währungsmärkten massiv erhöht. Aggressive Rhetorik bezüglich Grönland trägt zusätzlich zur globalen Unsicherheit bei.

Institutionelle Anleger und ETFs sorgen für massive Kapitalzuflüsse
Ein wesentlicher Faktor für die Preisdynamik ist das Verhalten institutioneller Investoren. Globale Gold-ETFs (Exchange-Traded Funds) verzeichneten im Jahr 2025 Rekordzuflüsse in Höhe von 89 Milliarden US-Dollar. Diese Entwicklung wird vor allem von nordamerikanischen Fonds angeführt.
ETFs ermöglichen es Investoren, an der Preisentwicklung teilzuhaben, ohne das physische Metall lagern zu müssen. Dies senkt die Eintrittsbarrieren und erhöht die Liquidität im Markt signifikant.
Parallel dazu nutzen Großinvestoren Derivatemärkte zur Absicherung. Die COMEX (New York Mercantile Exchange) bleibt hierbei der volumenstärkste Handelsplatz für Gold-Futures, gefolgt von der Shanghai Futures Exchange und der TOCOM in Tokio.

Zentralbanken diversifizieren ihre Währungsreserven aggressiv
Trotz des hohen Preisniveaus setzen Zentralbanken ihre Kaufprogramme unvermindert fort. Dies ist ein klares Indiz für den anhaltenden Trend zur De-Dollarisierung der globalen Währungsreserven. Der World Gold Council bestätigte, dass viele Notenbanken planen, ihre Bestände innerhalb des nächsten Jahres weiter aufzustocken.
China hat seine Goldreserven den 14. Monat in Folge aufgestockt und hielt Ende Dezember 74,15 Millionen Feinunzen. Auch Polen verfolgt ehrgeizige Ziele: Notenbankgouverneur Adam Glapinski kündigte an, die Reserven von 550 Tonnen (Stand Ende 2025) auf 700 Tonnen zu erhöhen.
Allein in den ersten elf Monaten des Jahres 2025 summierten sich die Nettokäufe der Zentralbanken auf 297 Tonnen. Niedrigere Zinsen begünstigen diesen Trend zusätzlich, da sie die Opportunitätskosten für das zinslose Halten von Gold senken.
Physischer Markt reagiert auf veränderte Nachfragestrukturen
Am Spotmarkt, dessen Preise maßgeblich durch Angebot und Nachfrage in Echtzeit bestimmt werden, bleibt London mit der London Bullion Market Association (LBMA) der wichtigste Handelsplatz. Hier werden die Standards für den OTC-Handel (Over-the-Counter) zwischen Banken festgelegt.
Im Einzelhandelssegment ist eine deutliche Verschiebung zu beobachten. In den Hauptabnehmermärkten China und Indien weichen Konsumenten aufgrund der hohen Spotpreise zunehmend von Schmuck auf Anlageprodukte wie Barren und Münzen aus.
Diese Entwicklung unterstreicht den Charakter von Gold als reines Investmentvehikel in Zeiten makroökonomischer Unsicherheit, während die traditionelle Schmucknachfrage unter dem Preisdruck leidet.



