Nach intensiven Verhandlungen von über einem Jahrzehnt haben internationale Finanzaufsichtsbehörden neue globale Standards für die Kapitalanforderungen großer Versicherer verabschiedet. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass dies zu erhöhten Berichterstattungskosten führen könnte.
Die neuen Vorgaben zielen darauf ab, die Versicherungsregulierung zu harmonisieren, die Sicherheit der Versicherungsnehmer zu stärken und den Sektor nach der Finanzkrise 2008 widerstandsfähiger zu machen. Diese Standards wurden von rund 200 Aufsichtsbehörden genehmigt, welche Mitglieder der International Association of Insurance Supervisors (IAIS) sind.
Ein entscheidender Schritt war die Zusage der US-Versicherungsaufsicht, ihr Regelwerk innerhalb von zwei Jahren an die neuen internationalen Standards anzupassen. Die neuen Regeln gelten für die 58 größten und systemrelevanten Versicherer und sollen eine einheitliche, risikobasierte Kapitalstruktur bieten, die den grenzüberschreitenden Vergleich von Finanzstärken erleichtert.
Im Gegensatz zu den Bankregelungen des Basler Ausschusses erhöhen diese Standards jedoch nicht die Kapitalanforderungen. IAIS-Vorstand Shigeru Ariizumi hob hervor, dass das Ziel der Schaffung einer gemeinsamen Sprache für Versicherungsregeln und Kapitalstandards nicht die Erhöhung der Kapitalanforderungen sei.
Laut Volker Kudszus von S&P Global Ratings werden die neuen Standards wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Kreditratings europäischer Versicherer haben, könnten jedoch höhere Kosten durch zusätzliche Berichterstattung verursachen. Europäische Versicherer müssen möglicherweise sowohl die bestehenden Solvency-II-Vorgaben als auch die neuen IAIS-Standards einhalten.
Obwohl Europas Solvency-II-Rahmenwerk größtenteils mit den neuen internationalen Standards übereinstimmt, sieht sich die US-Regelung Herausforderungen gegenüber, da sie bislang auf einer bundesstaatszentrierten Regulierung basiert.
Ariizumi betonte, dass der Einfluss der Umsetzung je nach Ausgangssituation variieren wird. Die USA hat zugesagt, ihr aggregiertes Modell vollständig anzugleichen, bevor die Beurteilung der Implementierung bis 2027 beginnt.
Die IAIS ist zuversichtlich, dass der neue globale Standard auch unter einer möglichen Deregulierung in den USA Bestand haben wird, da er auf Vereinbarungen mit einzelnen Staaten basiert.