Das Unfassbare ist eingetreten: Novo Nordisk, der Erfinder des Abnehm-Hypes und zeitweise wertvollstes Unternehmen Europas, steht vor den Trümmern seiner eigenen Erfolgsgeschichte. Am Mittwochmorgen krachte die Aktie nach einer desaströsen Umsatzwarnung für 2026 um 18 Prozent in die Tiefe. Was als „Short Term Pain“ verkauft wurde, entpuppt sich als industrieller Offenbarungseid. Der dänische Wunderknabe hat sich schlichtweg verzockt.

Donald Trumps Preishammer trifft Novo Nordisk ins Mark
Hinter dem Absturz steht zum einen das gnadenlose Vorgehen von US-Präsident Donald Trump. In Washington wird nicht mehr verhandelt, sondern diktiert: Novo Nordisk musste massiven Preissenkungen für seine Goldesel Wegovy und Ozempic zustimmen. CEO Mike Doustdar spricht von einem „nie dagewesenen Preisdruck“, doch in Wahrheit ist es die Quittung für eine arrogante Preispolitik der vergangenen Jahre.
Besonders bitter: In Märkten wie China, Brasilien und der Türkei wankt das Patent-Monopol. Generika-Hersteller wetzen bereits die Messer, um das Semaglutid-Geschäft mit billigen Kopien zu fluten. Während Novo Nordisk noch auf die „Long Term Gain“-Strategie hofft, fressen die sinkenden Margen bereits jetzt das Vertrauen der Anleger auf. Die einstige Cash-Maschine stottert gewaltig.
Management-Desaster: Wie man den US-Markt an Eli Lilly verschenkt
Doch das wahre Drama ist hausgemacht. Novo Nordisk hat die globale Gier nach der Schlank-Spritze von Anfang an dilettantisch unterschätzt. Lieferengpässe öffneten Tür und Tor für den US-Erzrivalen Eli Lilly, der die Dänen eiskalt überholt hat. Heute kontrolliert Lilly zwei Drittel des US-Marktes, Novo Nordisk ist zum Juniorpartner degradiert worden.

Weil die Spritzen nicht lieferbar waren, begannen US-Apotheken sogar, die Substanz selbst zusammenzurühren – ein Wildwuchs, den Novo Nordisk bis heute nicht unter Kontrolle hat. Eli Lilly vermied diese Fehler, baute Kapazitäten aggressiv aus und punktet nun mit einer effektiveren Spritze. In der Pharmabranche gewinnt nicht der Erfinder, sondern derjenige, der liefern kann.
Die Abnehm-Pille als letzter Rettungsanker im Sturm
Inmitten des Trümmerselds klammert sich Doustdar an einen letzten Hoffnungsschimmer: Die neue Pille gegen Übergewicht. Mit 170.000 Patienten in den ersten Wochen lief der US-Start zwar vielversprechend an, doch die Konkurrenz schläft nicht. Eli Lilly bereitet den Launch einer eigenen Pille für das zweite Quartal vor und dürfte Novo auch hier kaum Luft zum Atmen lassen.
Analysten wie Markus Manns von Union Investment sind sich einig: Das Vertrauen ist zerstört. Es wird Jahre dauern, den Scherbenhaufen aufzukehren, den das Management durch Fehleinschätzungen und mangelnde Agilität angerichtet hat. Novo Nordisk ist nicht mehr die Aktie, die reich macht, sondern das Mahnmal eines abgestürzten Giganten.
Wer jetzt noch auf die dänische Wunderheilung setzt, ignoriert die harte Realität eines Marktes, in dem Eli Lilly das Tempo vorgibt und Donald Trump die Preise macht.



