Hinter den Kulissen des Berliner Politikbetriebs wird spekuliert, ob die Grünen planen, Angela Merkel (CDU) als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten zu nominieren.
Die 18. Bundesversammlung wird voraussichtlich im Februar 2027 zusammentreten, um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier (SPD) zu regeln, dessen zweite Amtszeit am 18. März 2027 endet. Eine erneute Wiederwahl Steinmeiers ist verfassungsgemäß ausgeschlossen. Die Union, die derzeit stärkste Kraft im Land, beansprucht das höchste Staatsamt traditionell für sich – doch die Personalie Merkel brächte CDU-Chef Friedrich Merz in eine existenzielle Zwickmühle.

Das Dilemma von Friedrich Merz: Loyalität vs. alte Rechnungen
Sollten die Grünen, etwa durch den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Cem Özdemir, Merkel offiziell vorschlagen, entstünde für die Union ein politisches Hochrisiko-Szenario. Merkel gilt bis heute als über Parteigrenzen hinweg anschlussfähig, insbesondere in grünen und linksliberalen Milieus.
Für Friedrich Merz wäre dies eine maximale Provokation. Das Verhältnis zwischen dem amtierenden Bundeskanzler und seiner Vorgängerin gilt seit der Entmachtung von Merz im Jahr 2002 als zutiefst zerrüttet. Ein Nein der CDU zu einer Kandidatin aus den eigenen Reihen wäre öffentlich kaum vermittelbar, eine Zustimmung hingegen ein schwerer Schlag gegen Merz’ eigene Autorität. Die Union reagiert bereits: Um einem Überraschungscoup zuvorzukommen, wird diskutiert, ungewöhnlich früh eigene Kandidatinnen wie Bundesbildungsministerin Karin Prien oder Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zu präsentieren.
Merkels „Abwegig“-Dementi und die Realität der Wahl 2027
Angela Merkel selbst lässt über eine Sprecherin ausrichten, dass derartige Spekulationen „abwegig“ seien. Dennoch beobachten Marktteilnehmer und politische Analysten die Situation genau. Dass Merkel ihre öffentliche Präsenz zuletzt verstärkt hat und am 20. Februar 2026 physisch am CDU-Bundesparteitag in Stuttgart teilnehmen wird – zum ersten Mal seit ihrem Abschied –, wird von Beobachtern als klares Signal gewertet, dass sie ihren Einfluss in der Partei noch nicht gänzlich aufgegeben hat.
Anleger und Investoren beobachten solche politischen Personaldebatten meist unter dem Aspekt der Stabilität. Eine Bundespräsidentin Merkel würde für Kontinuität stehen, könnte aber gleichzeitig die personelle Erneuerung der Union unter Merz blockieren. Die Wahl Anfang 2027 wird somit nicht nur zur Abstimmung über ein Staatsoberhaupt, sondern zum Gradmesser für das Machtgefüge innerhalb der deutschen Politiklandschaft.


