Boeing greift tief in die Kasse, um die Ruhe im eigenen Haus zu erzwingen. Der angeschlagene Luftfahrtriese hat eine vorläufige Einigung mit der Gewerkschaft SPEEA erzielt, die rund 1.600 Angestellte des kürzlich übernommenen Zulieferers Spirit AeroSystems vertritt.
Es ist ein taktisches Manöver, das keine Zweifel offenlässt: Boeing kann sich derzeit keine weiteren Störungen im Betriebsablauf leisten. Die Führungsetage setzt auf finanzielle Anreize, um die Integration des Rumpfzulieferers ohne Reibungsverluste über die Bühne zu bringen.
Der Konzern öffnet die Schatztruhe für massive Gehaltssteigerungen
Das Angebot liest sich wie ein Wunschzettel der Arbeitnehmerseite. James Hatfield, der Verhandlungsführer der Gewerkschaft für die nicht-technische Einheit in Wichita, Kansas, lobt das Paket in den höchsten Tönen.
Laut SPEEA beinhaltet der Vorschlag eine Aufstockung der Lohnpools um 20 Prozent über einen Zeitraum von etwa fünf Jahren. Doch das ist nur der Anfang der finanziellen Offensive.
Zusätzlich winkt den Mitarbeitern ein Ratifikationsbonus von 6.000 US-Dollar. Ab 2027 plant Boeing zudem, die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge (401(k)) mit einem 10-prozentigen Match zu fördern.
Hatfield betont, dass das Angebot nicht nur beim Gehalt punktet. Bessere medizinische und zahnmedizinische Leistungen sowie mehr Urlaubstage sind Teil des Deals. Boeing versucht offensichtlich, die Belegschaft mit einem Rundum-sorglos-Paket zu befrieden.

Die Integration von Spirit AeroSystems fordert ihren finanziellen Tribut
Dieser teure Frieden folgt auf den Abschluss der Übernahme von Spirit AeroSystems am 8. Dezember 2025. Boeing ließ sich den Rückkauf des Zulieferers 4,7 Milliarden US-Dollar kosten.
Die Verhandlungen standen zunächst unter keinem guten Stern. Arbeitsrechtliche Beschränkungen verhinderten Gespräche vor dem Abschluss der Transaktion. Anschließend kam es zu Verzögerungen.
Noch bis zum 5. Januar waren die Gespräche pausiert. Gewerkschaftsvertreter hatten Boeing scharf kritisiert und dem Management vorgeworfen, unvorbereitet in die Verhandlungen gegangen zu sein. Diese anfängliche Arroganz scheint nun einer pragmatischen Spendierhosen-Mentalität gewichen zu sein.
Ein Unternehmenssprecher bezeichnete den aktuellen Vorschlag als das „beste und letzte Angebot“. Das Ziel ist klar: Die Mitarbeiter sollen mit höheren Löhnen und besseren Benefits schnellstmöglich ins Boot geholt werden.
Ein Scheitern der Abstimmung würde das operative Geschäft gefährden
Die Uhr tickt unerbittlich. Der aktuelle Sechsjahresvertrag läuft am 31. Januar 2026 aus. Eine Ablehnung des Angebots würde Boeing in eine kritische Lage manövrieren, gerade jetzt, wo die Produktion stabilisiert werden muss.
Das Verhandlungsteam der SPEEA hat seinen Mitgliedern einstimmig empfohlen, den Vorschlag anzunehmen. Dies ist ein starkes Signal, das die Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung erhöht.
Die Mitglieder haben nun bis zum 30. Januar um 17 Uhr Zeit, das Angebot zu prüfen und ihre Stimme abzugeben. Für Boeing hängt viel davon ab. Geld allein löst keine strukturellen Probleme, aber es kauft dem Management die nötige Zeit, um sie anzugehen.

