In den Pariser Büros von Air Liquide knallen die Korken, doch der Grund ist keine rauschende Party, sondern knallharte mathematische Präzision. Trotz eines stagnierenden Umsatzes, der vor allem durch den schwachen US-Dollar und globale Währungsturbulenzen auf 26,9 Milliarden Euro gedrückt wurde, hat der Konzern das Unmögliche geschafft: Der Gewinn kletterte um satte sechs Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Es ist das Ergebnis einer Rosskur, die das Unternehmen Mitte 2024 eingeleitet hat und die nun ihre volle zerstörerische Kraft – im positiven Sinne für die Aktionäre – entfaltet.

Das Milliarden-Sparprogramm wird zum ultimativen Rendite-Beschleuniger
Der Erfolg von Air Liquide im Jahr 2025 ist kein Zufallsprodukt, sondern das Resultat eines eiskalten Umbaus. Allein im vergangenen Jahr spülte das Sparprogramm Effizienzgewinne in Höhe von 631 Millionen Euro in die Kassen. Während die Konkurrenz noch mit den Nachwehen der Energiekrise kämpft, hat François Jackow den französischen Riesen auf eine Schlankheitskur geschickt, die ihresgleichen sucht. Das Signal an die Märkte ist klar: Wir brauchen kein massives Umsatzwachstum, um Rekordgewinne zu scheffeln.
Die Börse reagierte prompt auf diese operative Überlegenheit. Mit einem Kurssprung von zeitweise fast vier Prozent auf über 174 Euro setzte sich die Aktie an die Spitze der europäischen Blue Chips. Seit Jahresbeginn 2026 verbucht das Papier bereits ein Plus von rund acht Prozent – ein beeindruckender Siegeszug in einem Marktumfeld, das eigentlich von Unsicherheit geprägt ist. Der Industriegase-Spezialist beweist, dass Preiskraft und Kostendisziplin die stärksten Waffen gegen die Inflation und schwächelnde Märkte sind.

Jackows radikaler Margen-Plan versetzt die gesamte Branche in Aufruhr
Doch wer glaubt, der Konzernchef würde sich auf diesen Lorbeeren ausruhen, irrt gewaltig. Jackow hat die Messlatte für die kommenden Jahre noch einmal drastisch nach oben verschraubt. Das Ziel: Die operative Marge, die aktuell bei stolzen 20,7 Prozent liegt, soll bis 2027 um einen weiteren vollen Prozentpunkt steigen – und damit deutlich stärker als bisher geplant. Insgesamt würde die Profitabilität damit zwischen 2022 und 2027 um massive 5,6 Prozentpunkte zulegen.
Diese Kampfansage zielt direkt ins Herz des Erzrivalen Linde. Air Liquide jagt nicht mehr nur Marktanteile, sondern strebt nach der Krone der profitabelsten Gase-Hersteller weltweit. Für Analysten ist dieser Fokus auf die Marge ein Geniestreich. In Zeiten, in denen das organische Wachstum durch geopolitische Spannungen begrenzt ist, wird die interne Optimierung zur entscheidenden Währung. Jackow macht aus Air Liquide eine hochgezüchtete Cash-Maschine, die selbst bei Gegenwind an der Umsatzfront stabil auf Kurs bleibt.
Der Dividenden-Segen sorgt für einen beispiellosen Ansturm der Anleger
Für die treuen Aktionäre zahlt sich die Disziplin des Managements nun bar aus. Der Konzern kündigte eine Anhebung der Dividende um stolze zwölf Prozent auf 3,70 Euro je Aktie an. Es ist ein massives Zeichen der Stärke und ein Vertrauensbeweis in die zukünftigen Cashflows. Während andere Industriekonzerne ihre Ausschüttungen kürzen oder einfrieren, schüttet Air Liquide das Füllhorn aus und untermauert seinen Status als einer der zuverlässigsten Dividendenzahler im Euro Stoxx 50.
Der Blick auf 2026 verspricht noch mehr: Jackow peilt eine weitere Steigerung des bereinigten Gewinns an, sofern die Währungskurse mitspielen. Das Vertrauen der Investoren ist zurück, und die Aktie nimmt bereits Kurs auf neue Allzeithochs. Air Liquide hat gezeigt, dass man durch clevere Strategie und gnadenlose Effizienz selbst in einem stagnierenden Umfeld zum Überflieger werden kann.
Die Ära des bloßen Wachstums ist vorbei – heute zählt die Marge, und in diesem Spiel ist Air Liquide derzeit der unangefochtene Meister.


