Der Vorsitzende des britischen Bahnprojekts High Speed 2 (HS2), Sir Jon Thompson, hat seinen Rücktritt für das kommende Frühjahr angekündigt. Diese Entscheidung folgt unmittelbar auf Berichte der Financial Times, wonach die Projektkosten um weitere neun Milliarden Pfund gestiegen seien.
Thompson war erst im Februar 2023 an die Spitze von HS2 gerückt, nachdem er bereits zwei Jahre als Vorstand bei HS2 tätig gewesen war. Ein Brancheninsider merkte an, dass Thompsons Abschied wenig überraschend käme, da die britische Regierung bereits einen neuen CEO für HS2 bestellt und eine Überprüfung der Projektausrichtung und Kosten veranlasst hatte.
Interessanterweise hat Thompson kürzlich eine Position im Vorstand der Frasers Group angenommen, dem Eigentümer des britischen Einzelhändlers Sports Direct. Berichten von Sky News zufolge, soll er ab 2025 den Vorsitz von Frasers übernehmen.
Die offizielle Regierungsankündigung erfolgte kurz nachdem der Financial Times Bericht herauskam, laut dem ein noch zu veröffentlichender Bericht interne Schätzungen bestätigt, die Kosten von HS2 zwischen 54 und 66 Milliarden Pfund auf Basis von 2019er Preisen beziffern. Diese Schätzungen werden von der Regierung bestritten.
Heidi Alexander, die Verkehrsministerin, dankte Thompson für seine fast vierjährige Leitung des größten britischen Schienenprojekts und lobte seine Führungsstärke in herausfordernden Zeiten. Vergangenes Jahr wurde das Projekt von der damaligen konservativen Regierung halbiert, mit verbleibendem Abschnitt zwischen London und Birmingham.
Unterdessen hat Mark Wild die Zügel als neuer CEO in die Hand genommen und erhielt den Auftrag, das Budget und den Zeitplan zu optimieren, um die Strecke so kostenbewusst wie möglich zu realisieren. Wild plant, einige der umstrittenen Verträge für die Projektdurchführung neu zu verhandeln.
Thompson äußerte zuletzt bei einem Branchenforum seine Verärgerung über Planungsprobleme und Bürokratie, die zu den steigenden Kosten beigetragen haben. Besonders erwähnte er ein 100-Millionen-Pfund-Projekt zum Schutz einer seltenen Fledermausart in Buckinghamshire und hob hervor, wie solchen Maßnahmen die Projektbudgets strapazieren.
HS2 sieht sich seit jeher mit Verspätungen und Budgetüberschreitungen konfrontiert, seit das Projekt vor über einem Jahrzehnt grünes Licht bekam. Zu den Ursachen zählen Verträge mit offenen Kostenklauseln, erhöhter Tunnelausbau und schwierige Bodenbedingungen. Ursprünglich war die Kostenprognose für die Strecke zwischen London und Nordengland im Jahr 2012 bei 33 Milliarden Pfund veranschlagt.