In der japanischen Finanzwelt hat ein alarmierender Vorfall bei der renommierten Nomura-Bank zu erheblichen personellen Einschnitten und institutionellen Maßnahmen geführt. Der Vorstandsvorsitzende von Nomura, Kentaro Okuda, verzichtet für drei Monate auf 30 Prozent seines Gehalts. Auch weitere Führungskräfte tragen mit Gehaltseinbußen zu den Konsequenzen bei, nachdem ein ehemaliger Mitarbeiter schwerwiegende kriminelle Handlungen begangen haben soll. Vergangenen Monat erhoben die Strafverfolgungsbehörden Anklage gegen einen 29-jährigen Ex-Angestellten der Bank. Der Verdächtige, vormals in der Vermögensverwaltung tätig, soll ein älteres Ehepaar in Hiroshima betäubt, Bargeld gestohlen und schließlich das Haus der beiden in Brand gesteckt haben. Glücklicherweise überlebte das ältere Paar das Attentat. Der mutmaßliche Täter wurde entlassen und Nomura bemüht sich um Schadensbegrenzung. In der Pressekonferenz in Tokio, bei der Okuda und drei weitere Manager tiefes Bedauern äußerten und symbolisch ihre Köpfe senkten, entschuldigte sich Okuda: „Wir möchten uns zutiefst bei den Opfern und allen Betroffenen für die entstandenen Unannehmlichkeiten und Sorgen entschuldigen.“ Der Vorfall wird von der Bank äußerst ernst genommen; mögliche kulturelle Probleme wurden nicht gänzlich ausgeschlossen. Im Zuge des Vorfalls hat Nomura eine Reihe von vorbeugenden Maßnahmen eingeführt, um Fehlverhalten seiner Mitarbeiter frühzeitig zu erkennen. So soll die Aufsicht bei Kundenbesuchen verstärkt und umfassenderes Feedback innerhalb des Kollegiums eingeholt werden. Zudem plant Nomura Verbesserungen im Einstellungsverfahren sowie Ethikschulungen für ihre Angestellten. Bereits im Vormonat erließ das Institut strengere Regeln für Kundenbesuche, die nun einer vorherigen Genehmigung bedürfen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Okuda einer Gehaltskürzung unterwirft. Bereits im Oktober hatte er sich aufgrund einer von der Finanzaufsicht verhängten Strafe für unerlaubte Marktbeeinflussung bereit erklärt, einen Teil seiner Bezüge zurückzuzahlen. Ein Umstand, der sein ohnehin auf Rekordniveau befindliches Jahresgehalt von 506 Millionen Yen auf berechtigte Weise schmälert. Vor dem Hintergrund dieses Vorfalls und auf Druck der Finanzdienstleistungsagentur hat Nomura die Verpflichtung, die Ursache für das mutmaßliche Verbrechen gründlich zu untersuchen und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Der nun angeklagte Ex-Mitarbeiter begann seine Karriere bei Nomura im Jahr 2018, wo er als Neuzugang in der Inlandswertpapierabteilung in Hiroshima eingestellt wurde. In einem Gespräch mit seinem Abteilungsleiter im August offenbarte er, dass die Polizei ihn im Zusammenhang mit Brandstiftung in einem Kundenfall verdächtigt und er dabei Geld unterschlagen habe. Seither kooperiert Nomura vollständig mit den polizeilichen Ermittlungen, um Licht in diese Angelegenheit zu bringen.
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Führungsetage von Nomura zieht Konsequenzen: Gehälterkürzungen nach schwerwiegendem Vorfall