Die Übernahme ist formell abgeschlossen
Die französische Bankengruppe Crédit Mutuel Alliance Fédérale hat die Übernahme der Oldenburgische Landesbank endgültig vollzogen. Käufer ist die Holding Targo Deutschland, eine Tochter der Banque Fédérative du Crédit Mutuel. Sämtliche aufsichtsrechtlichen Genehmigungen liegen vor, der Eigentümerwechsel ist damit rechtskräftig.
Für den deutschen Bankenmarkt ist der Schritt von strategischer Bedeutung. Crédit Mutuel bündelt seine Aktivitäten und verschafft sich über Nacht zusätzliche Größe, regionale Tiefe und neue Geschäftsfelder.
Für Kunden bleibt zunächst alles beim Alten
Kurzfristig ändert sich für OLB-Kunden wenig. Bestehende Konten, Verträge und Ansprechpartner bleiben unverändert. Auch die Marke OLB bleibt bestehen. Crédit Mutuel verfolgt in Deutschland bewusst eine Mehrmarkenstrategie.

Neben der OLB bleiben auch Targobank und das Bankhaus Neelmeyer eigenständig am Markt. Die OLB soll ihr regionales Geschäftsmodell insbesondere in Norddeutschland fortführen und ihre gewachsene Kundennähe bewahren.
Die Targobank erweitert ihr Geschäftsmodell
Für die Targobank ist die Übernahme ein strategischer Hebel. Bislang lag der Fokus vor allem auf dem Privatkundengeschäft. Mit der OLB kommt nun ein etabliertes Firmenkundengeschäft hinzu, ergänzt um regionale Expertise und langjährige Kundenbeziehungen im Mittelstand.
Isabelle Chevelard, Vorstandsvorsitzende der Targobank, spricht von einer Beschleunigung des Wachstumskurses in Deutschland. Die Kombination komplementärer Aktivitäten soll die Transformation zur Universalbank ermöglichen.
Die OLB bringt Substanz und regionale Verankerung ein
Die Zahlen unterstreichen die Dimension der Transaktion. Die OLB verfügt über eine Bilanzsumme von mehr als 30 Milliarden Euro, betreut über eine Million Kunden und beschäftigt rund 1.700 Mitarbeiter. Das Institut ist mit etwa 80 Filialen vor allem in Norddeutschland präsent.
Diese regionale Verwurzelung war für Crédit Mutuel ein zentrales Kaufargument. Während die Targobank bundesweit im Konsumentenkreditgeschäft stark ist, liefert die OLB Zugang zu Firmenkunden und regionalen Netzwerken.
Ein bewusster Abschied vom Börsenplan
Ursprünglich hatten die OLB-Eigentümer auch einen Börsengang geprüft. Stattdessen fiel die Entscheidung für den Verkauf an Targo Deutschland. Damit geht das gesamte Aktienkapital an die französische Gruppe.
Der Verzicht auf ein IPO reduziert Marktrisiken und ermöglicht eine langfristige Integration ohne Quartalsdruck. Für Crédit Mutuel passt der Schritt zur genossenschaftlich geprägten Strategie, die auf Stabilität und organisches Wachstum setzt.
Neue Führungsstruktur mit französischem Einfluss
Im Zuge der Übernahme übernimmt Isabelle Chevelard zusätzlich den Vorsitz des OLB-Aufsichtsrats. Damit wird die Verbindung zwischen Mutter- und Tochterinstitut auch personell gestärkt.

Operativ bleibt die OLB jedoch eigenständig aufgestellt. Die französische Gruppe setzt nicht auf schnelle Verschmelzung, sondern auf Koordination und schrittweise Integration.
Deutschlands Bankenmarkt wird weiter verdichtet
Der Zusammenschluss ist ein weiteres Signal für die anhaltende Konsolidierung im deutschen Bankensektor. Steigender regulatorischer Aufwand, Margendruck und Investitionen in IT zwingen Institute zur Größe.
Crédit Mutuel positioniert sich mit der Übernahme als langfristiger Akteur in Deutschland. Nicht mit einem radikalen Umbau, sondern mit einer stillen, aber substanziellen Erweiterung seiner Plattform.
Die Marke bleibt, die Eigentümer wechseln – und genau darin liegt die strategische Botschaft dieser Transaktion.



