Die Finanzierung des Stuttgarter Bahnprojekts sieht sich neuen Turbulenzen ausgesetzt: Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann erhob schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn. In einem offenen Brief an den Aufsichtsratsvorsitzenden sowie an Bundesverkehrsminister Volker Wissing prangerte der Grünen-Politiker an, dass durch die Bahn die Mittelbereitstellung für das Digitalisierungsprojekt des Bahnknotens Stuttgart gefährdet sei. Die Realisierung des Digitalen Knoten Stuttgart, ein essentielles Vorhaben zur Steigerung der Kapazität des zukünftigen Tunnelbahnhofs und zur Verbesserung der S-Bahn-Dienste, sei dadurch in Ungewissheit geraten.
Hermann äußerte in seinem Schreiben, dass das Projekt angesichts der Haltung des Bahnvorstands, der den Digitalisierungsprozess vorerst blockiert hat, vor einem ernsten Risiko des Scheiterns stehe. Er fordert, dass der Vorstand seine Bedenken über Bord wirft und im kommenden Aufsichtsrattreffen Ende Juni grünes Licht für die Fortsetzung gibt.
Stuttgart 21 steht nicht nur für einen visionären Hauptbahnhof, sondern für eine Rundumerneuerung des Stuttgarter Schienennetzes mit einschließenden Infrastrukturprojekten, wie dem Bau einer neuen Schnellfahrstrecke und diversen Tunnel- und Schienenwegen. Der unterirdische Hauptbahnhof, der Kernstück des Vorhabens, ist geplant, den bisherigen Kopfbahnhof als Durchgangsbahnhof zu ersetzen.
Die Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs bleibt jedoch in der Schwebe. Zwar hatte die Deutsche Bahn signalisiert, dass das bestehende Bahnhofsgebäude bis 2026 weiterfunktionieren wird, ein definitiver Eröffnungstermin für den Tiefbahnhof fehlt jedoch. Eine Entscheidung, ob ab Ende 2025 Züge im neuen Tiefbahnhof fahren können, steht noch aus und soll in den Planungen der Bahn bis Juni dieses Jahres konkretisiert werden.
Finanzierungstechnisch drücken Stuttgart 21 erhebliche Mehrkosten: Zuletzt waren es 6,5 Milliarden Euro. Eine Klärung der Kostenübernahme durch die Projektpartner blieb bisher aus; so hat die Deutsche Bahn erst kürzlich vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht eine Niederlage erlitten und muss die Kosten nach aktuellem Stand alleine schultern, auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Die Gesamtkosten für das städtebauliche Großprojekt belaufen sich auf etwa 11 Milliarden Euro, wobei der Konzern zusätzlich eine Risikoreserve von 500 Millionen Euro vorsieht.