Die kommende Woche verspricht für die Finanzmärkte spannend zu werden, denn die Federal Reserve steht vor einer möglichen erneuten Senkung ihres Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt. Trotz eines verzerrten Arbeitsmarktberichts und der bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl scheint das Federal Open Market Committee (FOMC) an seinem Kurs festzuhalten.
Diese Entscheidung wird zwei Tage nach Schließung der Wahllokale verkündet, wobei die Wahlresultate eventuell noch nicht bekannt sein könnten. Die Fed plant offenbar, die Strategie der graduellen Zinsanpassung fortzuführen, eine Rückkehr zu einem traditionelleren Ansatz nach dem ungewöhnlichen halben Prozentpunkt-Schnitt im September. Damit würde sich das Zielband des Federal Funds Rates auf 4,5 bis 4,75 Prozent reduzieren.
Ein wesentlicher Grund für diese Entscheidung ist das solide Wirtschaftswachstum der USA, unterstützt durch einen starken Arbeitsmarkt und ausgabefreudige Verbraucher, obwohl die Inflation rückläufig ist. Im dritten Quartal stieg das BIP annualisiert um 2,8 Prozent, was eine gesunde Expansion signalisiert.
Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen boten jedoch ein getrübtes Bild: Nur 12.000 neue Stellen im Oktober, die schlechteste Bilanz der bisherigen Präsidentschaft von Joe Biden. Die Statistik wurde jedoch durch zwei Hurrikane und Streiks, darunter bei Boeing, verzerrt.
Die Herausforderung für die Fed bleibt, das Zinsniveau zu erreichen, das weder Wachstum unterdrückt noch es stimuliert, um die Inflation auf das Ziel von zwei Prozent zurückzuführen. Doch trotz der Unsicherheiten erhoffen sich viele Ökonomen eine Erholung der Beschäftigungszahlen und sehen in den schwachen Oktoberzahlen kein Signal für gravierende Schwächen.
Auf grundsatzstrategischer Ebene stellt sich die Frage, wie schnell die Zinsen auf ein „neutrales“ Niveau gesenkt werden sollten. Differenzen erscheinen besonders angesichts der anstehenden Präsidentschaftswahl, bei der die Kandidaten unterschiedliche Wirtschaftspolitiken verfolgen. Während Donald Trump eine protektionistischere Handelspolitik befürwortet, steht Kamala Harris für die Stärkung des sozialen Sicherheitsnetzes mit höheren Steuern für Reiche.
Inmitten dieser Komplexität wird von Fed-Vorsitzendem Jay Powell keine klare signaltechnische Richtungsweisung erwartet, da die makroökonomischen Bedingungen weiterhin von Ungewissheit geprägt sind.