Exor bleibt strategischer Ankeraktionär
Die niederländische Investmentgesellschaft Exor hat ihre Aktionärsvereinbarung mit der Ferrari-Familie um weitere drei Jahre verlängert. Die neue Regelung gilt zunächst bis 2029 und verlängert sich anschließend automatisch, sofern keine der Parteien kündigt.
Damit bleibt Exor langfristig der zentrale Stabilitätsfaktor im Aktionariat von Ferrari. Für Investoren ist das eine wichtige Botschaft: Die Eigentümerstruktur des Luxuskonzerns bleibt berechenbar, größere Anteilsverkäufe sind kurzfristig nicht zu erwarten.
Koordination statt Überraschungen
Die Vereinbarung erlaubt es Exor und der Ferrari-Familie, ihr Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen zu koordinieren. Das betrifft insbesondere strategische Entscheidungen, Personalfragen im Top-Management und langfristige Weichenstellungen.
Zugleich enthält der Vertrag eine Vorkaufsregel: Möchte eine der Parteien Ferrari-Aktien veräußern, müssen diese zunächst dem jeweils anderen Partner angeboten werden, bevor ein Verkauf an Dritte möglich ist. Diese Klausel reduziert das Risiko plötzlicher Marktbewegungen durch größere Aktienpakete.

Ein Investor mit langer Geschichte
Exor ist kein Finanzinvestor auf Zeit. Die Holding, kontrolliert von der italienischen Unternehmerfamilie Agnelli, begleitet Ferrari seit Jahrzehnten. Auch bei anderen Industriekonzernen wie Stellantis oder Philips ist Exor als langfristig orientierter Großaktionär engagiert.
Für Ferrari passt diese Konstellation zum eigenen Selbstverständnis. Der Konzern setzt auf kontrolliertes Wachstum, hohe Margen und strikte Markenpflege – Strategien, die von stabilen Eigentümern profitieren und wenig Spielraum für kurzfristigen Aktionismus lassen.
Börse honoriert Planungssicherheit
An den Märkten kommt die Nachricht gut an. Im EURONEXT-Handel in Mailand legt die Ferrari-Aktie zeitweise rund 1,3 Prozent auf gut 320 Euro zu. Der Kursanstieg fügt sich in einen ohnehin robusten Trend ein, getragen von starken Margen, hoher Nachfrage und einer klaren Elektrifizierungsstrategie.
Die Reaktion zeigt, wie sensibel Anleger auf Signale aus dem Aktionariat reagieren. Gerade bei hoch bewerteten Luxuswerten zählt Vertrauen in Governance und Eigentümerstruktur fast ebenso viel wie operative Zahlen.
Ruhe im Aktionariat als Wettbewerbsvorteil
Während andere Autobauer mit geopolitischen Risiken, Preiskämpfen und schwankender Nachfrage ringen, profitiert Ferrari von einer Sonderstellung. Die Verlängerung der Aktionärsvereinbarung unterstreicht, dass sich daran vorerst nichts ändert.
Für Investoren ist das weniger spektakulär als ein neuer Modellzyklus – aber oft wertvoller. Denn Stabilität im Aktionariat ist bei Ferrari kein Selbstzweck, sondern Teil des Geschäftsmodells.


