In der aktuellen Diskussion über die Schaffung eines europäischen nuklearen Schutzschirms äußert sich Armin Laschet, prominenter CDU-Außenpolitiker, äußerst zurückhaltend. Laschet hebt hervor, dass sein Fokus auf dringlicheren Herausforderungen liegt, insbesondere auf der stärkeren Förderung der Wirtschaft und der Erhöhung des Verteidigungsbudgets. In einer kürzlich ausgestrahlten ARD-Sendung erklärte er, dass nukleare Themen momentan nicht an der Spitze der politischen Agenda Deutschland stehen.
Trotz dieser Einschätzung hat Bundeskanzler Friedrich Merz Gespräche mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über mögliche Maßnahmen zur europäischen nuklearen Abschreckung aufgenommen. Diese Thematik ist nicht neu: Bereits 2020 sprach Macron von der Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit europäischer Nationen im Bereich der nuklearen Verteidigung. Während frühere deutsche Kanzler wie Angela Merkel und Olaf Scholz dieses Thema mit Vorsicht behandelten, deutet der Dialog zwischen Merz und Macron auf ein mögliches Umdenken hin.
Laschet betont die Komplexität der Entscheidungsprozesse in dieser Angelegenheit: In Frankreich liegt die Verantwortung für nukleare Entscheidungen primär beim Präsidenten, eine Verantwortung, die traditionell nicht leichtfertig geteilt wird. Ein erhöhter Fokus auf nukleare Strategien könnte zudem den Eindruck erwecken, dass Deutschland sich allmählich vom US-amerikanischen nuklearen Schutzschirm distanziert – eine Entwicklung, die Laschet zu vermeiden sucht, um die transatlantischen Beziehungen nicht zu belasten.
Ähnlich zurückhaltend äußert sich auch Außenminister Johann Wadephul. Er stellt die Notwendigkeit, zusätzliche Atomwaffen zu schaffen, in Frage. Angesichts der bestehenden nuklearen Kapazitäten Frankreichs und Großbritanniens erscheint vielen Beobachtern eine Ausweitung des Nukleararsenals Europas als nicht zwingend erforderlich. Mit Blick auf den vorhandenen amerikanischen Schutzschirm sehen viele politische Akteure in Berlin derzeit keinen dringenden Bedarf für eine verstärkte nationale Beteiligung Deutschlands an der atomaren Abschreckung.