Die Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Mitgliedsstaaten sowie Kanadas steigen im laufenden Jahr langsamer als im Vorjahr. Laut aktuellen Schätzungen wird für 2023 ein Wachstum der Militärausgaben um 15,9 Prozent erwartet, sodass sich das Gesamtbudget auf 559 Milliarden US-Dollar belaufen wird. Im Vergleich dazu betrug der Anstieg im Vorjahr noch 18,6 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht einen anhaltenden Trend der Steigerung, der jedoch im Vergleich zu den Vereinigten Staaten weiterhin bescheiden erscheint. Die USA werden voraussichtlich Verteidigungsausgaben in Höhe von etwa 845 Milliarden US-Dollar erreichen, was die Differenz zu den europäischen Partnerländern erheblich macht.
Besonders Deutschland ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, da das Land hinter den gesteckten Erwartungen bleibt. Ursprünglich wurde ein Beitrag von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als Ziel festgelegt, jedoch konnte dieser aufgrund bisher unklarer Haushaltsdaten noch nicht vollständig kalkuliert werden. Eine mögliche Anpassung der Ausgaben infolge der Verabschiedung des Bundeshaushalts könnte dazu beitragen, diese Diskrepanz zu verringern.
Im Kontext der NATO-Vereinbarungen verpflichten sich alle Mitgliedsländer, mit Ausnahme von Island, mindestens zwei Prozent ihres BIP in Verteidigung zu investieren. Dieses Ziel wurde 2014 festgelegt und wird mit einjähriger Verzögerung endlich erreicht. Doch beim jüngsten NATO-Gipfeltreffen im Juni, unterstützt durch die Initiative des US-Präsidenten, wurde ein ehrgeizigeres Ziel ins Leben gerufen: Die Mitgliedsstaaten sollen künftig mindestens 3,5 Prozent ihres BIP für Verteidigung aufwenden und zusätzlich 1,5 Prozent für verteidigungsrelevante Infrastruktur investieren.
Dieses neue Gesamtziel von fünf Prozent markiert einen weichenstellenden Kurs für die zukünftige Ausrichtung der NATO-Verteidigungsstrategien. Es verdeutlicht die Notwendigkeit einer großangelegten Anpassung in den Mitgliedsstaaten, um den aktuellen und zukünftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen effektiv begegnen zu können. Die Umsetzung dieser Zielvorgaben dürfte sowohl finanzpolitische Priorisierungen als auch strategische Planungen in den nationalen Haushalten der Mitgliedsstaaten erfordern.