Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der renommierten Münchner Sicherheitskonferenz, hat kürzlich eine verstärkte europäische Beteiligung am nuklearen Abschreckungskonzept der NATO gefordert. Besonders betonte er die maßgebliche Rolle, die Deutschland in diesem Kontext spielen könnte. Ischinger argumentierte, dass Frankreich und Großbritannien ihre Atomarsenale intensiver in das primär von den Vereinigten Staaten bestimmte Schutzschild des Bündnisses integrieren könnten. Damit würde Europa ein starkes Signal der Eigenständigkeit an Russland, die USA und China senden.
Darüber hinaus sieht Ischinger Deutschland in einer potenziellen Schlüsselrolle als Vermittler zwischen Europa und den USA. Dieser Ansatz könnte dazu beitragen, Missverständnisse mit Washington zu vermeiden. Wichtig ist, dass den Vereinigten Staaten keine Ängste eingeflößt werden, Frankreich und Deutschland könnten die Führung bei der nuklearen Abschreckung übernehmen wollen. Bisher basieren die Verteidigungsstrategien der meisten NATO-Mitglieder vorrangig auf der atomaren Präsenz der USA, die nach wie vor entscheidend für die Sicherheit Europas ist.
Schon im Jahr 2020 hatte der französische Präsident Emmanuel Macron dazu aufgerufen, die Möglichkeit einer europäischen Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung in Betracht zu ziehen. Damals stieß diese Anregung allerdings in Deutschland auf wenig Resonanz. Ischinger äußerte Unverständnis darüber, dass die ehemaligen Kanzler Merkel und Scholz diesen Dialog nicht proaktiv mit Frankreich angestoßen haben. Mit der Übernahme des Kanzleramts durch Friedrich Merz wurde jedoch der Grundstein für einen konstruktiven Austausch gelegt. Merz nahm Macrons Vorschlag kurz nach seinem Amtsantritt an, was nun Hoffnungen auf Fortschritte in diesem sensiblen Bereich schürt. Ischinger empfiehlt, dass solche Diskussionen diskret und abseits des öffentlichen Rampenlichts geführt werden, um ein vertrauensvolles Umfeld zu schaffen. Diese Herangehensweise könnte der diplomatischen Feinabstimmung dienen, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit unerlässlich ist.