In einer aktuellen Entwicklung fordern europäische und transatlantische Verbündete von Griechenland und Spanien verstärkte Unterstützung der ukrainischen Luftabwehrfähigkeiten. Vor einem Treffen der EU-Außen- und Verteidigungsminister am Montag, bei dem Kiew voraussichtlich eine Ausweitung der Hilfen einfordern wird, stehen beide südeuropäischen Staaten unter Druck, ihre Luftabwehrsysteme der Ukraine zur Verfügung zu stellen.
Angesichts intensiver Luft- und Raketenangriffe Russlands auf urbane Zentren und Versorgungsinfrastrukturen der Ukraine ist das osteuropäische Land auf zusätzliche Abwehrmittel angewiesen. So bat Kiew kürzlich um weitere sieben Luftverteidigungssysteme – darunter amerikanische Patriot-Systeme oder sowjetische S-300-Modelle. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte auf der sozialen Plattform X, dass Luftabwehrsysteme nur dann ihren Namen verdienten, wenn sie auch aktiv Schutz bieten und nicht ungenutzt in Depots stünden.
Bisher hat außer Deutschland, das die Bereitstellung eines Patriot-Systems ankündigte, kein weiteres EU-Land konkrete Lieferungen in Aussicht gestellt. Dennoch erhielt die Ukraine bereits drei Patriot-Systeme – eines aus den USA und zwei aus Deutschland – und verfügt zudem über sowjetische Langstrecken-Flugabwehrraketen wie die S-300 und S-200. Letztere wurden kürzlich modifiziert und konnten einen russischen Tu-22M3-Bomber über der Region Stavropol in Russland abschießen.
Auf einem EU-Gipfel wurden die Regierungschefs von Spanien und Griechenland, Pedro Sánchez und Kyriakos Mitsotakis, von Kollegen gedrängt, von ihren Beständen – über ein Dutzend Patriot-Systeme und weitere S-300-Modelle – an die Ukraine abzugeben. Angesichts der weniger dringenden Bedrohungslage beider Länder soll das Abwehrbedürfnis der Ukraine im Vordergrund stehen. Anders sieht es bei Polen und Rumänien aus, die ebenfalls Patriot-Systeme besitzen, aber aufgrund ihrer Nähe zur ukrainischen Grenze einem potenziellen Risiko ausgesetzt sind.
Ausschlaggebend für die Ukraine dürfte insbesondere Griechenlands Bestand an betagten S-300-Systemen sein, da die ukrainischen Streitkräfte bereits mit diesen Systemen vertraut sind. EU-Diplomaten betonen unverblümt, dass einige Länder ihrer Luftabwehrsysteme nicht sofort bedürfen.
Beide Verteidigungsministerien lehnten es ab, zu den Forderungen Stellung zu nehmen, während Sánchez nach einem Treffen mit Selenskyj zusätzliche Unterstützung Spaniens für 2024 in Aussicht stellte. Jens Stoltenberg, NATO-Generalsekretär, rechnet mit Ankündigungen weiterer Lieferzusagen, enthielt sich jedoch weiterer Details.
Neben der ukrainischen Thematik sollen die EU-Minister ebenfalls die Lage im Nahen Osten und im Sudan erörtern, die Ukraine bleibt jedoch das drängendste Thema. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba und Verteidigungsminister Rustem Umerov werden sich per Videokonferenz zuschalten. Eine Priorität der Gespräche bildet die Koordinierung der Mitgliedsstaaten zur Unterstützung der ukrainischen Luftabwehr.