18. Januar, 2026

Wirtschaft

EU reagiert besonnen auf Trumps Eskalation im Zollstreit

Die jüngsten Androhungen von US-Präsident Donald Trump, im Zuge des Konflikts um Grönland zusätzliche Zölle auf europäische Staaten zu erheben, stoßen auf erheblichen Widerstand innerhalb der Europäischen Union. Führende Wirtschaftsverbände plädieren für eine einheitliche Reaktion der EU, um die bereits unter Druck stehende deutsche Industrie sowie den Exportsektor vor weiteren Belastungen zu schützen, jedoch ohne die Situation weiter zu eskalieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass das EU-Parlament dem bestehenden Zollabkommen mit den USA zustimmt, wird angesichts der aktuellen Entwicklungen als gering eingeschätzt.

Bertram Kawlath, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), betont, dass Europa der Erpressung aus den USA nicht nachgeben dürfe, da dies künftige Forderungen von Donald Trump nur begünstigen würde. Die von den USA angekündigten Zölle wären für Deutschland und andere europäische Länder von erheblicher Tragweite und sehen eine stufenweise Erhöhung von 10 auf 25 Prozent vor, sollte kein Konsens bezüglich Grönland gefunden werden.

Volker Treier, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), warnt vor den unvorhersehbaren Folgen der amerikanischen Handelspolitik. Er prognostiziert einen deutlichen Rückgang der deutschen Exporte in die USA, was schwerwiegende Auswirkungen auf die europäische Maschinenbau- und Stahlindustrie haben könnte. Diese Sektoren sind bereits durch hohe Sonderzölle beeinträchtigt, was den Handelsverkehr weiter erschwert.

Vor diesem Hintergrund steht das EU-Parlament vor der Herausforderung, über das weitere Vorgehen hinsichtlich der Zollregelungen mit den USA zu entscheiden. VDMA-Präsident Kawlath schlägt vor, das sogenannte Anti-Coercion-Instrument in Betracht zu ziehen, um dem wirtschaftlichen Druck entgegenzutreten, wobei dies als letztes Mittel eingesetzt werden sollte. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), betont die Notwendigkeit einer sorgfältigen Reaktion seitens Brüssels, um eine Eskalationsspirale zu vermeiden.

In Anbetracht der unvorhersehbaren Forderungen Trumps an die europäische Wirtschaft hebt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, hervor, dass zusätzliche Zölle die Verbraucherpreise in den USA erhöhen könnten, während die daraus resultierende Unsicherheit die wirtschaftlichen Aussichten in der Europäischen Union beeinträchtigen könnte. Diese komplexe Gemengelage erfordert eine durchdachte und wohlüberlegte Antwort der EU, um die langfristige Stabilität der transatlantischen Beziehungen sicherzustellen.