17. März, 2026

Wirtschaft

EU geht gegen Nuctech vor: Chinesisches Sicherheitsunternehmen unter Beschuss

EU geht gegen Nuctech vor: Chinesisches Sicherheitsunternehmen unter Beschuss

Das chinesische Staatsunternehmen Nuctech sieht sich in Europa mit intensivierter regulatorischer Prüfung und Anschuldigungen der Wettbewerbsverzerrung konfrontiert. Die europäischen Behörden durchsuchten kürzlich die Büros des Unternehmens in Rotterdam und Warschau, da der Verdacht besteht, Nuctech profitiere von unfairen Subventionen durch Peking zum Nachteil europäischer Konkurrenten. Nuctech, berüchtigt für seine Verbindungen zur chinesischen Regierung, ist vor allem für die Herstellung von Scannern für Fracht, Gepäck und Personen bekannt, die europaweit an Grenzen und in den größten Seehäfen zum Einsatz kommen.

Die US-amerikanische Regierung hat bereits Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit geäußert und den Zugang zu sensiblen Zolldatensystemen problematisiert. Nuctech hat auf entsprechende Anfragen bisher nicht reagiert, behauptet jedoch, mit der Europäischen Kommission zu kooperieren und seine Unabhängigkeit zu verteidigen. Das Unternehmen, das in der Vergangenheit von Hu Haifeng, dem Sohn des ehemaligen chinesischen Präsidenten Hu Jintao, geleitet wurde, hat in den letzten zehn Jahren über 160 öffentliche Aufträge in Europa gewonnen, obwohl Sicherheitsbedenken bestehen.

Die aktuellen Maßnahmen seitens der EU deuten auf eine strategische Anpassung hin, ausländische Unternehmen mit potenziellen Sicherheitsrisiken nun auch anhand ihrer Handelspraktiken anzugehen. China's Handelsministerium übte heftige Kritik an den Durchsuchungen und wertet diese als protektionistisch und prozesswidrig. Ungeachtet der Vorbehalte einiger EU-Mitgliedsstaaten zeigt eine Auswertung der Financial Times, dass Nuctech Verträge im Wert von über 120 Millionen Euro seit 2014 für Sicherheitsausstattungen erhalten hat, die mit europäischen Mitteln finanziert wurden.

Trotz eines Verbots in Belgien sind noch immer einige Scanner von Nuctech in Betrieb. Diese seien jedoch nicht mit den IT-Netzwerken des Zolls verbunden, was das Risiko mindere, so der Leiter der belgischen Zollbehörde. Auch die estnischen Steuer- und Zollbehörden versichern, alle potenziellen Sicherheitsrisiken würden berücksichtigt.

Die Ausbreitung von Nuctech in Europa, nicht zuletzt über vermutetes Preisdumping, hat auch im Europäischen Parlament zu Besorgnis geführt. Bedenken gehen so weit, dass die Übernahme chinesischer Technologie in europäische Grenzsicherheitssysteme infrage gestellt wird. Im schlimmsten Fall drohen dem Unternehmen Strafen von bis zu 6 Prozent des globalen Jahresumsatzes bei einem Verstoß gegen EU-Recht. Die Europäische Kommission hat sich dazu bisher nicht geäußert.