Kiarash Hossainpour hat den roten Knopf gedrückt. Was als erfolgreiche geschäftliche Symbiose begann, endet derzeit in einer öffentlichen Schlammschlacht, die in der deutschen Finanz-Influencer-Szene ihresgleichen sucht.
Der Co-Host des einst reichweitenstarken Podcasts „Hoss & Hopf“ belässt es nicht mehr bei bloßen Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung. Die Auseinandersetzung hat den Boden des Geschäftlichen verlassen und bewegt sich nun im Bereich offener Drohungen, die strafrechtliche Relevanz besitzen könnten.
Auf der Plattform X inszeniert Hoss ein Drama, das die Demontage der gemeinsamen Marke „Hoss & Hopf“ besiegelt. Im Zentrum stehen dabei keine Differenzen über Makroökonomie oder Geopolitik, sondern persönliche Angriffe, die gezielt auf die Reputation seines Geschäftspartners Philip Hopf zielen.

Eine private Geburtstagsfeier wird zur juristischen und moralischen Waffe umfunktioniert
Die Eskalationsstufe, die Hoss am 9. Januar 2026 zündete, markiert einen Dammbruch. In einer Serie von Posts griff er seinen ehemaligen Partner frontal an. Der schwerwiegendste Vorwurf wiegt schwer: Hoss suggeriert die Existenz von kompromittierendem Videomaterial.
Konkret bezieht sich Hoss auf die Nacht von Hopfs 40. Geburtstag. Er droht unverhohlen damit, der Öffentlichkeit zu offenbaren, wo Hopf die Nacht verbracht und was er getan habe – untermauert mit Videobeweisen. Diese Drohkulisse dient laut Hoss dazu, Hopf dazu zu bringen, bestimmte mediale Darstellungen „geradezubiegen“.
Analytisch betrachtet handelt es sich hierbei um ein klassisches Ultimatum. Die Verknüpfung einer Forderung mit der Androhung einer bloßstellenden Veröffentlichung erfüllt in der öffentlichen Wahrnehmung bereits den Tatbestand einer Erpressung, unabhängig von der juristischen Bewertung. Hoss kündigte zudem ein 90-minütiges „Exposed“-Video an, das Beweise wie Kameraaufnahmen und Chatverläufe enthalten soll.
Damit verlässt der Konflikt die Ebene eines Streits unter Gesellschaftern und wird zu einem reputativen Vernichtungsfeldzug. Dass Hoss dabei betont, er reagiere nur und habe „nie zuerst angefangen“, ändert nichts an der destruktiven Qualität seiner Methoden.
Das einstige Erfolgsformat ist am Ego seiner Protagonisten zerbrochen
Der wirtschaftliche Schaden ist bereits immens. Mit über 300 Episoden und Millionen von Zuhörern war „Hoss & Hopf“ eines der dominantesten Formate im deutschsprachigen Raum. Die Themenmischung aus Finanzen und populistischer Gesellschaftskritik traf einen Nerv.
Doch dieses Asset ist nun toxisch geworden. Philip Hopf bestätigte gegenüber der Presse das endgültige Aus des Formats. Die letzte Episode vom Dezember 2025 markiert damit das Ende einer Ära, die nun nicht durch sinkende Quoten, sondern durch interne Zerrüttung beendet wird.
Hintergrund des Bruchs sind offenbar divergierende Narrative in der Öffentlichkeit. Hoss wirft Hopf vor, hinterrücks mit Medien wie der „Jungen Freiheit“ kooperiert zu haben, um Hoss als psychisch labil oder drogenabhängig darzustellen. Diese Wahrnehmungsschlacht hat dazu geführt, dass Hoss nun die „nukleare Option“ der totalen Transparenz androht – inklusive Angriffen auf etablierte Parteien und die deutsche Presselandschaft.

Die Glaubwürdigkeit der Finfluencer steht durch vergangene Kontroversen auf wackeligen Beinen
Für neutrale Marktbeobachter kommt der Knall nicht völlig überraschend. Kian Hoss ist in der Szene kein unbeschriebenes Blatt. Seine Historie ist gepflastert mit Vorwürfen, die von der Promotion fragwürdiger Krypto-Projekte bis hin zur Unterstützung der kollabierten Börse FTX reichen.
Auch der Podcast selbst stand wiederholt in der Kritik, sei es wegen der Verbreitung von Falschinformationen zur Corona-Pandemie oder populistischer Rhetorik. Hoss selbst erwähnte mögliche Beobachtungen durch den Verfassungsschutz, was das Risikoprofil der Marke weiter schärfte.
Aktuell stilisiert sich Hoss als Opfer einer großangelegten Verschwörung, inklusive gekaufter Bots und koordinierter Kampagnen gegen seine Person. Diese Verteidigungsstrategie ist in der Szene bekannt: Angriff als beste Verteidigung, gepaart mit einer Opferrolle, um die eigene loyale Basis zu mobilisieren.
Doch die Drohung mit privaten Videos überschreitet eine Grenze, die selbst hartgesottene Fans abschrecken könnte. Wer mit Schmutz wirft, verliert am Ende meist nicht nur sein Gesicht, sondern auch sein Geschäft.

