26. Januar, 2026

Politik

Erneute Diskussion über Teilzeitarbeit: Balance zwischen Lebensstil und Fachkräftemangel im Fokus

In Deutschland gewinnt die Diskussion über die Teilzeitarbeit zunehmend an Dynamik. Im Mittelpunkt der aktuellen Debatte stehen Äußerungen von Markus Söder, dem Ministerpräsidenten Bayerns und Mitglied der Christlich-Sozialen Union (CSU), der sich für eine generelle Stärkung der Arbeitsmoral ausgesprochen hat. Unterdessen hat Bundeskanzler Friedrich Merz von der Christlich-Demokratischen Union (CDU) die vergleichsweise hohen Krankentage in Deutschland, im europäischen Vergleich, kritisiert. Ein zentrales Thema bleibt dabei, in wie weit freiwillige Teilzeitarbeit aus persönlichen Gründen durch den Sozialstaat unterstützt werden sollte.

Gitta Connemann, eine prominente CDU-Politikerin und Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), spricht sich für eine grundlegende Überprüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen rund um Teilzeitarbeitsansprüche aus. Ihrem Vorschlag zufolge sollte der staatlich abgesicherte Anspruch auf sogenannte "Lifestyle-Teilzeit" abgeschafft werden. Die MIT plant, diesen Vorschlag als Beschluss auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart einzubringen, um eine breitere Unterstützung innerhalb der Partei zu erreichen.

Die Statistik zeigt, dass die Teilzeitbeschäftigung in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen hat, mit einem Höchststand von 40,1 Prozent im dritten Quartal 2025. Besonders deutlich ist dieser Anstieg im Gesundheits- und Sozialwesen, während die Vollzeitbeschäftigung im verarbeitenden Gewerbe rückläufig ist. Dennoch geben viele Teilzeitbeschäftigte an, dass sie bei besseren Kinderbetreuungsmöglichkeiten gerne mehr arbeiten würden.

Kritik am Vorstoß der MIT kommt nicht nur aus den Reihen der Oppositionsparteien, sondern auch aus Teilen der Regierungskoalition selbst, insbesondere dem sozialpolitischen Flügel der CDU. Eine Reform des Teilzeitrechts würde demnach eine breite Zustimmung innerhalb der Koalition erfordern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU hat die Notwendigkeit betont, die Vollzeitarbeit zu fördern. Dennoch bleibt offen, wie die künftigen Regelungen zur Teilzeitarbeit konkret ausgestaltet werden. Die Debatte über die Balance zwischen wirtschaftlichen Anforderungen und individuellen Arbeitszeitpräferenzen bleibt weiterhin ein Thema von großer Bedeutung.