Die europäische und insbesondere die deutsche Politik hat sich auf eine umfassende globale Suche nach neuen strategischen Partnerschaften begeben. Im Zentrum dieser diplomatischen Initiativen stehen Regionen wie Südamerika, Indien und die arabische Welt. Vor allem für den deutschen Bundeskanzler sind die Nationen Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate von erheblicher Wichtigkeit. Diese Staaten verfügen über wertvolle Ressourcen, die angesichts der jüngsten weltwirtschaftlichen und politischen Herausforderungen in Deutschland neue Bedeutung erlangt haben: Erdöl, Erdgas und finanzielle Investitionen.
In Berlin findet gegenwärtig ein Paradigmenwechsel statt, der zwei traditionell festgehaltene Überzeugungen hinterfragt. Zunächst ist die lange gehegte Annahme zu nennen, dass Deutschland den Übergang ins postindustrielle Zeitalter ausschließlich durch grüne Energien und autarke Lösungen bewältigen kann. Darüber hinaus hat sich die Überzeugung, dass europäische Werte uneingeschränkt global Gültigkeit haben sollten, insbesondere in Bezug auf die reichen Erdölstaaten, als nicht mehr praktikabel erwiesen.
Die Zeiten, in denen deutsche Politiker mit der primären Absicht, moralische Standards in der arabischen Welt zu propagieren, ihre Reisen antraten, sind nun eindeutig Vergangenheit. Die deutsche Außenpolitik hat sich darauf ausgerichtet, pragmatische und gegenseitig vorteilhafte Beziehungen zu knüpfen, um den aktuellen globalen Herausforderungen effektiv zu begegnen. Diese Neuausrichtung der deutschen Diplomatie spiegelt ein Engagement wider, bestehende Vorurteile abzubauen und realistisch auf die dynamischen Veränderungen in der internationalen Arena zu reagieren.