26. Januar, 2026

Wirtschaft

Erhebliche Krankheitsausfälle führen zu Milliardenschäden in der deutschen Wirtschaft.

Aktuelle Studien des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) offenbaren, dass der anhaltend hohe Krankenstand in Deutschland erhebliche wirtschaftliche Belastungen verursacht. Bereits seit vier Jahren überschreitet die Krankenstandsquote signifikant die durchschnittlichen Werte der vorhergehenden Jahre, was weitreichende ökonomische Konsequenzen nach sich zieht. Es fällt auf, dass deutsche Arbeitnehmer häufiger krankgemeldet sind als ihre Kollegen in vielen anderen Ländern.

Laut Claus Michelsen, Chefvolkswirt des VFA, betrug der Krankenstand im vergangenen Jahr 5,7 Prozent. Dies stellt einen Anstieg von etwa zwei Prozentpunkten über dem durchschnittlichen Niveau der Jahre 2003 bis 2019 dar. Diese Entwicklung verursacht nicht nur einen bedeutenden wirtschaftlichen Schaden, der schon bei vorsichtiger Kalkulation ein Drittel Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung beansprucht, sondern könnte im schlimmsten Fall fast ein Prozent betragen. Solche Verluste könnten sich über vier Jahre summieren und bis zu 160 Milliarden Euro erreichen.

Die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen werden durch die erhebliche Belastung der Krankenversicherungen weiter verschärft. In einem Umfeld, in dem wirtschaftliches Wachstum ohnehin schwach ausfällt, wirken sich diese Ausfälle besonders nachteilig auf die konjunkturelle Erholung aus. Der VFA hebt die Bedeutung von präventiven Maßnahmen und Vorsorge hervor, um das Problem in den Griff zu bekommen. Maßnahmen wie Grippeimpfungen könnten hier besonders hilfreich sein.

Eine detaillierte Analyse des Anstiegs von 2021 auf 2022 zeigt, dass Atemwegserkrankungen eine zentrale Ursache darstellen. Trotz einer leichten Verbesserung bleibt der Krankenstand auf einem hohen Niveau. Diese Entwicklung ist auch mit der steigenden Anzahl von Arztbesuchen und schweren Grippewellen weltweit verknüpft. Interessanterweise scheint die seit 2020 bestehende Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung kaum Einfluss auf diesen Trend zu nehmen.

Die Vielzahl der Krankentage hat eine politische Diskussion über die Arbeitsmoral in Deutschland ausgelöst. Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU kritisierte, dass Beschäftigte durchschnittlich 14,5 Tage im Jahr krank gemeldet sind. Er äußerte Zweifel an der Effektivität der telefonischen Krankschreibung. In Reaktion darauf kündigte Gesundheitsministerin Nina Warken eine Prüfung dieser Regelung an, während die SPD, als Mitglied der Koalition, eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung ablehnt.