Die Stimmung in Miami kippt von Feierlaune in nackte Angst
Eigentlich war eine ausgelassene Party-Stimmung für die Top-Führungskräfte in Miami geplant. Stattdessen studieren die Spitzenmanager der US-Investmentbank derzeit nervös neu veröffentlichte Akten. Die entspannte Atmosphäre ist verflogen.
Die Aktie reagierte umgehend auf die Unsicherheit am Markt und rutschte um 2,07 Prozent ab, obwohl das operative Kerngeschäft eigentlich stabil läuft. Auslöser ist eine toxische Verbindung zu Jeffrey Epstein, die nun direkt in das Zentrum der Compliance-Abteilung zielt.
Im Auge des Sturms steht ausgerechnet jene Person, die im Haus für die Einhaltung von Regeln und Reputationsrisiken zuständig ist: Kathy Ruemmler.

Chefjuristin Kathy Ruemmler gerät durch Geschenkliste unter massiven Druck
Die Brisanz liegt in neu aufgetauchten Unterlagen aus der Zeit vor ihrem Eintritt bei Goldman Sachs im Jahr 2020. Ruemmler ist heute die Chefjuristin der Bank.
Die Dokumente belegen Geschenke und einen auffallend vertraulichen Umgangston mit dem verurteilten Sexualstraftäter. Goldman Sachs hatte zwar seit November betont, über die Verbindungen vor ihrem Einstieg informiert gewesen zu sein, doch die Dichte der neuen Details erzwingt eine interne Neubewertung der Außenwirkung.

Interne Reibung wächst wegen Vorwürfen der doppelten Standards
Offiziell hält das Geldhaus an seiner Top-Managerin fest. Ein Sprecher der Bank betonte, man habe ihre frühere Rolle als Strafverteidigerin verstanden und die Kontakte als rein beruflich klassifiziert.
„Ruemmler weist den Eindruck zurück, sie habe von laufenden Straftaten gewusst oder Epstein als das gekannt, was später öffentlich wurde“, so die Positionierung gegenüber der Presse.
Intern brodelt es jedoch gewaltig. Laut Berichten von Bloomberg verweisen Führungskräfte darauf, dass einfache Angestellte bereits für Geschenke von minimalem Wert sanktioniert würden. Hier scheinen für die Chefetage andere Maßstäbe zu gelten.
Diese Diskrepanz vergiftet das Betriebsklima genau in einer Woche, in der Partner und Top-Leute eigentlich Erfolge feiern wollten.

