Die Jagd nach Superreichen rechtfertigte moralische Bankrotterklärungen
Es sind verstörende Details, die nun durch die sogenannten Epstein-Akten ans Licht kommen und ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Unternehmenskultur der Deutschen Bank werfen. Dokumente belegen, dass das Institut den bereits verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nicht nur duldetet, sondern aktiv als strategischen Hebel nutzte. Im September 2015 trafen sich Vermögensberater der Privatkundenabteilung mit Epstein, um Rat im Umgang mit Superreichen einzuholen.
Das Protokoll dieses Treffens offenbart eine rein utilitaristische Denkweise: Die Banker notierten mit größtem Interesse, dass Epstein Kontakt zu über 20 Milliardären hatte. Ziel war es, über den Sexualstraftäter Zugang zu weiteren lukrativen Kundenkreisen zu erschließen. Moralische Bedenken traten hinter den Profitinteressen zurück.
Im Gegenzug verlangte Epstein finanzielle Dienstleistungen für seinen exzessiven Lebensstil. Konkret forderte er eine Absicherung gegen schwankende Kerosinpreise, um die Betriebskosten seines Privatjets kalkulierbar zu halten. Die Bank ließ sich auf diesen Handel ein.
Interne Warnungen wurden zugunsten profitabler Deals systematisch überhört
Die Vorzugsbehandlung Epsteins durch die Deutsche Bank reichte weit über das übliche Maß hinaus. Bereits 2013 versuchte das Institut, ihm 2.000 bis 3.000 Aktien für den begehrten Börsengang von Twitter (heute X) zu sichern. Selbst als Ende 2014 intern diskutiert wurde, ob Epstein aufgrund von Missbrauchsvorwürfen von über 40 Frauen noch tragbar sei, riss der Kontakt nicht ab.
Im Gegenteil: Noch im Januar 2015 versuchten Banker, Epstein in ein exklusives Programm für Premiumkunden aufzunehmen, das eigentlich ein Vermögen von über 500 Millionen US-Dollar voraussetzte. Dies geschah, obwohl Epstein zu diesem Zeitpunkt nicht einmal die Hälfte der geforderten Summe liquide bei der Bank hielt.

Eine Risikoprüfung im Februar 2015 stufte Epstein zwar als Kunden mit „hohem Reputationsrisiko“ ein, empfahl aber dennoch die Fortführung der Geschäftsbeziehung unter bloßer Beobachtung auffälliger Transaktionen.
Top-Management feierte Geldzuflüsse des Sexualstraftäters als Erfolg
Die Akten belasten auch die heutige Führungsriege. Fabrizio Campelli, seit 2015 verantwortlich für das Wealth Management und heute als potenzieller Vize-Chef gehandelt, war in die Vorgänge involviert. Als Epstein seine Einlagen im Jahr 2017 um 50 Millionen US-Dollar erhöhte, löste dies Begeisterung aus.
„Excellent well done“, kommentierte Fabrizio Campelli am 4. April 2017 in einer E-Mail.
Die Bank betont heute, Campelli habe bis Ende 2018 keine Kenntnis von den Straftaten Epsteins gehabt. Erst im Dezember 2018 informierte das Institut Epstein über die Beendigung der Kundenbeziehung.
Compliance-Mitarbeiter wurden bei Warnungen kaltgestellt
Besonders alarmierend sind die Aussagen interner Kontrolleure. Whistleblower berichteten der New York Times und dem FBI, dass Warnungen der Compliance-Abteilung ignoriert wurden. Insbesondere das Team in Jacksonville beklagte einen laxen Umgang mit Geldwäschevorgaben.
„Das gesamte Team in Jacksonville wollte die Geschäftsbeziehung beenden“, gab eine ehemalige Compliance-Mitarbeiterin gegenüber dem FBI zu Protokoll.
Zudem wurden Überprüfungen prominenter Kunden massiv erschwert. Donald Trump, der 2014 über 200 Millionen Dollar bei der Bank deponiert hatte, wurde als „covered client“ geführt. Dieser Status schränkte den Zugriff der Compliance-Abteilung auf seine Daten ein, was die Geldwäscheprävention faktisch aushebelte.

Das Institut gelobt Besserung und investiert in Kontrollmechanismen
Die Deutsche Bank versucht nun, den Schaden zu begrenzen. Auf Anfrage teilte das Institut mit, dass der Fall in Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden transparent aufgearbeitet wurde. Man habe erhebliche Summen in Schulungen und operative Prozesse investiert.
„Die Deutsche Bank hat aus diesem Fehler gelernt“, so die offizielle Stellungnahme der Bank zu den Vorgängen.

