Für die internationalen Ölkonzerne TotalEnergies und Petrobras ist es ein diplomatisches Desaster der Sonderklasse. Am Freitag verkündeten die beiden Energieriesen stolz den Erwerb von Anteilen an der Explorationslizenz PEL104 im namibischen Luderitz-Becken. Doch die Rechnung wurde ohne den Wirt gemacht: Die Regierung in Windhoek hat den Deal am Sonntag öffentlich für nichtig erklärt.
Der Grund für die harsche Zurückweisung ist bürokratischer Hochmut. Laut Regierungsangaben haben die Konzerne die vorgeschriebenen Genehmigungsverfahren schlichtweg ignoriert. Eine formale Zustimmung der Behörden lag zum Zeitpunkt der Ankündigung nicht vor.
„Solange kein formeller Antrag gestellt und das vorgeschriebene gesetzliche Verfahren nicht abgeschlossen ist, kann keine Transaktion anerkannt oder als gültig betrachtet werden“, so Jonas Mbambo, Sprecher des namibischen Präsidialamtes.
Das Ministerium pocht kompromisslos auf die Einhaltung der Meldepflichten.
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die aggressive Expansionsstrategie westlicher Konzerne in den letzten verbliebenen Explorations-Hotspots der Welt. TotalEnergies und der brasilianische Partner Petrobras hatten jeweils 42,5 Prozent der Anteile von Maravilla Oil and Gas sowie Eight Offshore Investments Holdings übernommen.
Besonders brisant ist der zeitliche Ablauf der Kommunikation. Das Ministerium für Industrie, Bergbau und Energie gab an, erst „wenige Minuten“ vor der offiziellen Pressemitteilung der Konzerne über den Deal informiert worden zu sein. Dieser Affront führte zur sofortigen Blockade durch die Regulierungsbehörden.
Neue Gesetze verändern die Spielregeln für ausländische Investoren drastisch
Der Konflikt trifft zeitlich mit einer umfassenden Neuordnung des namibischen Energiesektors zusammen. Namibia bereitet sich darauf vor, bis Ende des Jahrzehnts erstmals selbst Öl zu produzieren, und zieht die regulatorischen Zügel straff an. Der erst kürzlich ernannte Energieminister Modestus Amutse treibt die „Petroleum Amendment Bill“ voran.
Dieses Gesetzesvorhaben zielt darauf ab, den rechtlichen Rahmen zu modernisieren und die staatliche Kontrolle zu maximieren. Geplant ist unter anderem die Einrichtung einer „Upstream Petroleum Unit“ direkt im Büro des Präsidenten, während die Position des Petroleum Commissioner abgeschafft werden soll.
Für Investoren wie TotalEnergies bedeutet dies: Die Zeiten, in denen Deals an den Behörden vorbei eingefädelt werden konnten, sind vorbei. Die steuerliche Transparenz und strengere „Local Content“-Regeln stehen nun im Fokus der namibischen Wirtschaftspolitik.


