Die Handelswelt steht Kopf: Was als Trumps „Schutzwall für Amerika“ geplant war, wurde am Freitag vom Obersten Gerichtshof der USA mit einer krachenden 6-zu-3-Entscheidung dem Erdboden gleichgemacht. Die Richter stellten klar, dass der Präsident das Notstandsgesetz (IEEPA) missbraucht hat – Zölle sind dort schlicht nicht vorgesehen. Für die Giganten des E-Commerce bricht damit eine Ära der Unterdrückung und der schrumpfenden Margen über Nacht zusammen. Die Börse reagierte mit einem Kurs-Beben, das die Branche seit Jahren nicht erlebt hat.

Das Ende der Zoll-Diktatur entfesselt eine beispiellose Rallye bei den Online-Giganten
Die Erleichterung an der Wall Street ist mit Händen zu greifen. Amazon-Papiere kletterten unmittelbar nach dem Urteil um über zwei Prozent, doch der wahre Triumph spielte sich bei den Plattformen ab, die besonders stark von kleinen Händlern und Importen abhängen. Etsy schoss um mehr als sieben Prozent nach oben, während eBay und Shopify Kursgewinne von bis zu vier Prozent verbuchten. Es ist die Antwort der Märkte auf die Aussicht, dass der künstlich verteuerte Welthandel nun wieder zu marktwirtschaftlichen Realitäten zurückkehrt.
Besonders brisant: Auch die chinesischen Player wie Pinduoduo (Temu) profitierten massiv mit einem Plus von vier Prozent. Trump hatte nicht nur pauschale Zölle verhängt, sondern auch die „De-minimis“-Regelung gekippt, die Kleinstpakete bis zu einem bestimmten Warenwert zollfrei ließ. Diese Regelung, die das Rückgrat für Plattformen wie Etsy, eBay oder Shein bildete, steht nach dem Urteil nun wieder zur Disposition. Die Logistikketten, die unter massivem Druck umgebaut wurden, könnten nun wieder effizienter und vor allem kostengünstiger gestaltet werden.

Die Rückforderung der Milliarden-Raubzüge könnte Apple und Co. sanieren
Das Urteil hat eine finanzielle Lawine losgetreten, die den US-Staatshaushalt in arge Bedrängnis bringen könnte. Da die Rechtsgrundlage für viele Zölle nun für nichtig erklärt wurde, prüfen Konzerne weltweit die Rückforderung bereits gezahlter Milliardenbeträge.
Allein bei Apple summieren sich die Zollzahlungen der letzten Monate auf schätzungsweise 3,3 Milliarden Dollar. Sollte der Supreme Court in einem Folgeschritt die Rückzahlung anordnen, stünde den US-Unternehmen ein Geldregen bevor, der die aktuelle Flaute bei den Investitionen sofort beenden könnte.
Der Einzelhandelsverband NRF (National Retail Federation) sieht im Richterspruch vor allem den Gewinn an Planungssicherheit. Monate der Ungewissheit, in denen Margen unter Druck gerieten und Preise für Endverbraucher angehoben werden mussten, scheinen beendet. Für Amazon-Chef Andy Jassy, der zuletzt vor einer schleichenden Kaufzurückhaltung bei teuren Produkten warnte, ist das Urteil ein Rettungsanker. Günstigere Importpreise könnten den inflationsgeplagten US-Konsumenten genau den Spielraum zurückgeben, den sie für eine Erholung des Marktes benötigen.

Der Kampf um den „De-minimis“-Schatz wird zur Schicksalsfrage für kleine Händler
Während die großen Plattformen jubeln, blicken vor allem die Millionen von Kleinsthändlern auf Etsy und eBay auf das Thema „De-minimis“. Die Streichung dieser Freigrenze durch Trump hatte viele Geschäftsmodelle, die auf dem Direktversand von Kunsthandwerk oder Nischenprodukten basieren, an den Rand des Ruins getrieben. Das Gerichtsurteil entzieht dieser Streichung nun die Basis. Es ist ein Sieg für die Demokratisierung des Handels, bei dem nicht mehr nur Konzerne mit eigener US-Logistik überleben können.
Doch trotz der Euphorie bleibt eine Restunsicherheit: Trump hat bereits angekündigt, andere rechtliche Wege zu finden, um seine protektionistische Agenda durchzusetzen. Die Branche hat eine Schlacht gewonnen, aber der Krieg um die globalen Handelswege ist noch lange nicht vorbei. Für den Moment jedoch drehen die Plattformen auf und lassen die dunklen Wolken der Zoll-Ära hinter sich.
Der E-Commerce ist zurück – und er ist hungriger denn je.


