In der Welt der Diplomatie sind Orden selten bloßer Schmuck – sie sind die Sprache der Wertschätzung. Doch was sich am Donnerstag in Kiew abspielte, gleicht einem diplomatischen Frostschock. Johann Wadephul (CDU), der deutsche Außenminister, erhielt vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj den Verdienstorden „nur“ in der zweiten Stufe.

Das sorgt für massives Befremden in Berlin. Schließlich hat Deutschland seit dem russischen Überfall vor vier Jahren Hilfen mobilisiert, die mittlerweile die 100-Milliarden-Euro-Marke überschritten haben. Wadephul, der sich stets als loyaler Unterstützer Kiews und Verfechter harter Sicherheitsgarantien positionierte, steht nun vor einem protokollarischen Rätsel, das nach einem gezielten Affront riecht.
Der bittere Vergleich mit der SPD-Konkurrenz
Besonders brisant wird die Angelegenheit durch den Blick in die jüngste Vergangenheit. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) wurde bereits 2024 mit der ersten Klasse des Ordens geehrt – der höchsten Stufe, die für Ressortchefs souveräner Staaten eigentlich der Standard ist. Dass Wadephul nun eine Stufe tiefer eingruppiert wurde, weicht eklatant von der üblichen Praxis ab.
In Berliner Regierungskreisen wird spekuliert, ob die Ukraine mit dieser Nuance Unzufriedenheit über die aktuelle diplomatische Linie oder die Geschwindigkeit bestimmter Waffenlieferungen ausdrücken will. Während Kiew Wadephul offiziell für seine „konsequente Unterstützung“ und die Lieferung von Flugabwehrsystemen dankte, spricht die Wahl der Ordensklasse eine deutlich unterkühltere Sprache. Aus dem ukrainischen Präsidentenbüro gab es bisher keine erklärende Stellungnahme zu dieser Einstufung, was den Raum für Interpretationen weiter befeuert.

Milliarden-Scheck ohne protokollarische Rendite
Die nackten Zahlen der Bundesregierung unterstreichen die Fallhöhe dieses Vorfalls. Insgesamt 39 Milliarden Euro an ziviler Hilfe und 55 Milliarden Euro an militärischer Unterstützung hat Deutschland bisher geleistet oder fest zugesagt. Mit fast 100 Milliarden Euro Gesamtsumme ist die Bundesrepublik der zweitgrößte Unterstützer weltweit. Dass der deutsche Chefdiplomat trotz dieser beispiellosen Kraftanstrengung protokollarisch „zweitklassig“ behandelt wird, empfinden Kritiker als Schlag ins Gesicht.
Insbesondere die CDU-geführte Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz dürfte diesen Vorgang genau analysieren. Es stellt sich die Frage, ob die Ukraine hier versucht, politischen Druck aufzubauen oder ob es sich um ein Missgeschick in der Kiewer Protokollabteilung handelt – was bei einem derart kriegserfahrenen und medial profilierten Stab jedoch als unwahrscheinlich gilt.
Die Pointe dieses Besuchs ist so trocken wie bitter: Während die deutschen Flugabwehrsysteme den Himmel über Kiew schützen, bleibt das diplomatische Klima am Boden unterkühlt. Wadephul kehrt zwar mit einem Orden heim, doch der Beigeschmack einer bewussten Abwertung wird die deutsch-ukrainischen Beziehungen in den kommenden Wochen belasten.


