29. August, 2025

Wirtschaft

Die Zerschlagungsdebatte: Quo Vadis, Deutsche Bahn?

Die Zerschlagungsdebatte: Quo Vadis, Deutsche Bahn?

Der Deutschen Bahn droht eine Zerreißprobe: Nach der Bundestagswahl könnte unter einem möglichen Kanzler Friedrich Merz die Bahn in wesentlichen Teilen umstrukturiert werden. Die Union plant die Trennung von Betrieb und Infrastruktur, eine Absicht, die die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) als „fundamentalen Angriff auf unsere Arbeitsplätze“ verurteilt. EVG-Chef Martin Burkert kritisiert die Unionsparteien scharf und spricht von „fachfremden Opportunisten“, die auf Kosten der Beschäftigten die Interessen einer neoliberalen Wettbewerbslobby durchsetzen wollen. Die Demonstrationen gegen diese Pläne finden ihren Weg vom Kanzleramt bis zum Bahntower am Potsdamer Platz – ein deutliches Zeichen des Protests. Die CDU/CSU sieht hingegen die Notwendigkeit für eine grundlegende Neustrukturierung, um die Bahn wieder auf Kurs zu bringen. Ulrich Lange, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion für Verkehr, betonte, dass die Bahn vom Kopf auf die Füße gestellt werden müsse. Er fordert die Auflösung zahlreicher Beteiligungen und Tochtergesellschaften der Bahn sowie eine Abspaltung der Infrastruktur in eine neue, bundeseigene GmbH. Verkehrsminister Volker Wissing warnt jedoch davor, dass eine Spaltung die bestehenden Probleme nicht lösen würde. Der Fokus müsse auf der konsequenten Umsetzung des Sanierungsprogramms liegen, um die über Jahrzehnte vernachlässigte Infrastruktur zu erneuern. Die Situation zeigt sich vor allem im täglichen Betrieb: Die Pünktlichkeit der Fernverkehrszüge erreichte 2024 ein 20-Jahres-Tief. Bahnexperte Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin sieht die aktuelle Struktur der Deutschen Bahn kritisch. Seiner Ansicht nach ist die Bahn nicht mehr zukunftsfähig. Eine grundlegende Veränderung der Organisation ist nötig, jedoch müsse dies mit Bedacht geschehen. Auch die EVG fordert verstärkte Investitionen in die Schienen-Infrastruktur, um den pädagogischen Verschleiß abzubauen. Der Vorschlag einiger Experten, die Beherrschungsverträge aufzuheben und mehr Transparenz über Finanzströme zu schaffen, wird von Böttger als ein erster unverfänglicher Schritt vorgeschlagen. Ob jedoch eine komplette Trennung von Netz und Betrieb realistisch und sinnvoll ist, bleibt umstritten. Böttger sieht die Gefahr politischer Unruhe und Unsicherheit bei einer schnellen Umsetzung. Die Debatte über die Zukunft der Deutschen Bahn wird somit weiter intensiv geführt werden müssen.