Der deutsche Leitindex hat seine Orientierung verloren und die Anleger stehen vor einem Scherbenhaufen ihrer Euphorie. Nach dem historischen Ausbruch über die magische Grenze von 25.500 Punkten ist die Party abrupt vorbei.
Die Realität hat den Markt eingeholt. Statt einer unaufhaltsamen Rally sehen wir einen Index, der richtungslos unter der Marke von 25.300 Punkten pendelt und nach Halt sucht. Der marginale Verlust von 0,04 Prozent zum Handelsstart auf 25.275,83 Zähler ist mehr als nur ein statistisches Rauschen.
Es ist ein Warnsignal. Der Markt klebt an der Nulllinie, doch die Tendenz zeigt schmerzhaft nach unten. Wer jetzt nicht aufpasst, läuft Gefahr, in eine klassische Bullenfalle zu tappen.
Der vermeintliche Triumph des DAX entpuppt sich als fragile Momentaufnahme
Erst am Dienstag feierten Investoren noch den historischen Höchststand von 25.507,79 Punkten. Es war ein Meilenstein, der den Weg für weitere Gewinne ebnen sollte. Doch die Börse kennt keine Dankbarkeit.

Bereits zum Handelsschluss desselben Tages bröckelten die Gewinne auf 25.420,66 Zähler ab. Dieser neue Rekord auf Schlusskursbasis wirkt im Rückblick wie ein letztes Aufbäumen vor der Ernüchterung.
Die Konsolidierung ist im vollen Gange. Das Momentum ist gebrochen und die psychologisch wichtige Unterstützung bröckelt. Anleger müssen sich fragen, ob dies nur eine Atempause ist oder der Beginn einer schmerzhaften Korrektur.
Die US-Märkte senden ebenfalls alarmierende Signale der Schwäche aus
Auch an der Wall Street ist der unbändige Optimismus verflogen. Zur Wochenmitte mussten die US-Börsen deutliche Rückschläge von ihren Rekordniveaus hinnehmen.
Zwar verringerten sich die Verluste nach dem europäischen Handelsende etwas, doch die Warnzeichen bleiben bestehen. Der marktbreite S&P 500 testete seine 21-Tage-Linie.
Er bestand diesen Test zwar knapp, doch solche technischen Belastungsproben sind selten ein Zeichen für ungebrochene Stärke. Wenn die Wall Street hustet, bekommt der DAX bekanntlich eine Lungenentzündung.
Trumps überraschende Volte im Iran-Konflikt drückt den Ölpreis massiv
Einziger Lichtblick in diesem trüben Szenario sind die stark fallenden Ölpreise. Diese Entwicklung ist direkt auf eine unerwartete rhetorische Entspannung aus dem Weißen Haus zurückzuführen.
Donald Trump deutete am Mittwochabend an, dass ein militärisches Vorgehen der USA gegen den Iran nicht unmittelbar bevorsteht. Ihm sei zugesichert worden, dass Teheran die Tötung von Demonstranten einstellen werde.

Diese Aussage nimmt kurzfristig die Kriegsangst aus dem Markt. Trump scheint von einer angedrohten militärischen Reaktion auf die Niederschlagung der landesweiten Proteste abzusehen. Die Risikoprämie im Ölpreis schmilzt dahin, was zumindest die Inflationssorgen der Anleger etwas lindert.
Der bizarre Streit um die Annexion Grönlands belastet die Diplomatie schwer
Während sich die Lage im Nahen Osten scheinbar beruhigt, öffnet sich im hohen Norden ein neuer, fast surrealer Konfliktherd. Die Gespräche zwischen den USA und Dänemark bezüglich Grönland offenbaren tiefe Gräben.
Spitzenbeamte aus Dänemark und Grönland erklärten nach einem Besuch im Weißen Haus unmissverständlich, dass sie Trump nicht von seinen Ambitionen abbringen konnten. Der US-Präsident hält an der Idee einer Annexion der Insel fest.
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen versuchte zwar, das Treffen als "positiven Schritt" zu verkaufen. Doch seine Aussage über eine verbleibende "fundamentale Meinungsverschiedenheit" spricht Bände. Solche geopolitischen Spannungen schaffen Unsicherheit, die Märkte verabscheuen.
Die Bilanzen der US-Großbanken entscheiden jetzt über das Schicksal der Märkte
Der Fokus der Investoren verschiebt sich nun zwangsläufig auf die harten Zahlen. Die Berichtssaison läuft auf Hochtouren und die Finanzgiganten müssen liefern.
Am heutigen Mittag legen Schwergewichte wie Blackrock, Goldman Sachs und Morgan Stanley ihre Bücher offen. Enttäuschen diese Zahlen, könnte der DAX seinen Halt endgültig verlieren.
Zusätzlich stehen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und der Philly-Fed-Index auf der Agenda. Diese Datenpunkte werden zeigen, ob die US-Konjunktur noch trägt oder ob wir am Abgrund einer Rezession stehen. Die Ruhe an den Märkten ist trügerisch.



