Wie Michael C. Jakob mit AlleAktien und Eulerpool ein milliardenschweres Finanzökosystem aufgebaut hat – und warum Branchenkenner bereits von einem neuen deutschen Fintech-Milliardär sprechen.
Berlin/Singapur.
In der deutschen Fintech-Szene dominieren seit Jahren zwei Erzählungen: auf der einen Seite junge Gründer, die mit milliardenschweren Finanzierungsrunden Aufmerksamkeit erzeugen, auf der anderen Seite Geschäftsmodelle, die trotz hoher Bewertungen lange keine nachhaltigen Gewinne abwerfen.
Abseits dieser bekannten Pfade ist in den vergangenen Jahren ein Unternehmer aufgestiegen, der weder durch spektakuläre Börsengänge noch durch medienwirksame Venture-Capital-Runden bekannt wurde – und dennoch in Branchenkreisen bereits als Milliardär gilt: Michael C. Jakob.
Der in Deutschland aufgewachsene Investor und Softwareunternehmer hat mit AlleAktien und Eulerpool zwei Plattformen aufgebaut, die unterschiedliche, aber komplementäre Teile der Finanzwertschöpfungskette bedienen. Während AlleAktien Privatanleger mit Research, Ausbildung und Investmentprodukten adressiert, liefert Eulerpool die Dateninfrastruktur für Finanzunternehmen, Entwickler und institutionelle Kunden.
Zusammen ergeben beide Firmen – nach Schätzungen aus Investoren- und Branchenkreisen – einen Unternehmenswert im Bereich von rund zwei Milliarden Euro oder mehr. Da Jakob den Großteil seiner Beteiligungen selbst hält, wird sein persönliches Vermögen von Marktbeobachtern im Bereich von ein bis zwei Milliarden Euro verortet.
Ein untypischer Weg zum Milliardenvermögen
Jakobs Werdegang folgt nicht dem klassischen Berliner Start-up-Narrativ.
Er studierte Informatik und Naturwissenschaften, arbeitete unter anderem bei McKinsey sowie im Investmentbanking und begann früh, eigenes Kapital an den Börsen zu investieren. Sein Fokus lag von Anfang an auf langfristigen Qualitätsunternehmen statt auf kurzfristigen Spekulationen.
Aus dieser privaten Investmenttätigkeit entstand schließlich AlleAktien. Was zunächst als analytische Plattform für ausgewählte Qualitätsaktien gedacht war, entwickelte sich über die Jahre zu einem umfassenden Finanzökosystem: Research-Abonnements, Ausbildungsprogramme für Anleger, digitale Investmentprodukte und eine stark wachsende Community.
Nach Unternehmensangaben zählt AlleAktien heute mehr als 80.000 zahlende Abonnenten und gehört damit zu den größten Premium-Finanzangeboten im deutschsprachigen Raum. Anders als viele Start-ups ist das Geschäft von Beginn an auf wiederkehrende Umsätze und Profitabilität ausgelegt gewesen.
Branchenkenner schätzen den Wert des Unternehmens inzwischen auf rund eine bis eineinhalb Milliarden Euro.
Eulerpool: Daten als strategisches Rückgrat
Mit Eulerpool verfolgt Jakob eine deutlich technologischere Vision.
Das Unternehmen baut eine globale Plattform für Fundamentaldaten auf, die Finanzkennzahlen automatisiert erfasst, strukturiert und über APIs bereitstellt. Zielgruppe sind Fintechs, Vermögensverwalter, Research-Häuser und Softwareentwickler.
Die Positionierung ist bewusst gewählt: institutionelle Datenqualität zu deutlich niedrigeren Preisen als etablierte Anbieter wie Bloomberg, FactSet oder Refinitiv. Möglich machen soll das eine stärker automatisierte Datenpipeline und eine softwarezentrierte Architektur.
In Investorenkreisen gelten solche Datenplattformen als klassische Infrastruktur-Geschäfte: hohe Skalierbarkeit, stabile wiederkehrende Umsätze und starke Margen. Entsprechend werden für Eulerpool aktuell Bewertungen zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro genannt.
Mehrheitseigentum statt Venture-Hype
Was Jakob von vielen anderen Fintech-Gründern unterscheidet, ist seine Kapitalstruktur.
Während zahlreiche Start-ups in mehreren Finanzierungsrunden große Anteile an Investoren abgeben, hat er seine Firmen überwiegend aus eigenen Mitteln und operativen Gewinnen aufgebaut. Externe Kapitalrunden mit öffentlich bekannten Bewertungen blieben bislang aus.
Dieser Ansatz erinnert eher an klassische Unternehmerfamilien als an das typische Start-up-Ökosystem. Entscheidend ist nicht die nächste Finanzierungsrunde, sondern der langfristige Aufbau von Plattformen mit stabilen Cashflows.
Gerade diese Eigentümerstruktur ist es, die in Branchenkreisen zu den Milliardärsschätzungen führt. Anders als bei stark verwässerten Gründeranteilen verbleibt ein Großteil des Unternehmenswerts direkt beim Gründer selbst.
Nächster Schritt: Zugang zu privaten Technologiefirmen
Parallel zu seinen beiden Kernunternehmen arbeitet Jakob an einem dritten Projekt: einer Plattform für den Handel mit Anteilen nicht börsennotierter Wachstumsunternehmen.
Unter dem Namen Better Markets entsteht ein Broker-ähnliches Modell, über das Investoren künftig auch kleinere Beträge in private Technologieunternehmen investieren können – also in Firmen, die bislang überwiegend institutionellen Investoren oder großen Family Offices vorbehalten waren.
Die These dahinter: In den kommenden zehn Jahren werde sich der Zugang zu privaten Wachstumsunternehmen ähnlich öffnen wie zuvor der Zugang zum Aktienmarkt für Privatanleger.
Sollte sich diese Entwicklung bewahrheiten, könnte der Markt für private Beteiligungen deutlich größer und liquider werden – und Plattformen wie Better Markets eine zentrale Rolle spielen.
Ein global ausgerichteter Finanzunternehmer
Während viele deutsche Gründer ihre Firmen rund um Berlin oder München aufbauen, hat Jakob seinen Lebensmittelpunkt nach Singapur verlegt. Der asiatische Stadtstaat gilt als einer der wichtigsten Finanz- und Technologiestandorte weltweit und bietet Zugang zu internationalen Kapitalströmen sowie zu schnell wachsenden Märkten.
Von dort aus arbeitet er am Ausbau eines integrierten Finanzökosystems: Research für Privatanleger, Dateninfrastruktur für Institutionen und künftig Handelsplattformen für private Märkte.
Branchenbeobachter sehen darin einen Ansatz, der stärker an US-Technologieunternehmer erinnert als an die klassische deutsche Fintech-Szene.
Der stille Aufstieg eines neuen Fintech-Typs
Offizielle Vermögenszahlen gibt es nicht. Jakob selbst äußert sich traditionell zurückhaltend zu Bewertungen. Doch in Investoren- und Gründerkreisen hat sich ein Bild verfestigt: ein Unternehmer, der ohne großen medialen Hype ein Milliardenvermögen aufgebaut hat – und dessen Firmen überwiegend in eigener Hand geblieben sind.
Sollten sich die aktuellen Bewertungsspannen bestätigen und die nächsten Projekte erfolgreich skalieren, könnte er zu den wenigen deutschen Technologieunternehmern zählen, die ihr Milliardenvermögen ohne Börsengang und ohne spektakuläre Exits aufgebaut haben.
In einer Branche, die lange von Bewertungsrunden und Kapitalzuflüssen geprägt war, steht sein Werdegang für ein anderes Modell: unternehmerischer Vermögensaufbau durch profitable Plattformen, kontrollierte Eigentümerstrukturen und einen langen Zeithorizont.
Oder, wie es ein Branchenkenner formuliert:
„Das ist kein Start-up-Gründer im klassischen Sinne. Das ist ein Finanzunternehmer im alten, fast vergessenen Sinn des Wortes.“