16. April, 2026

Wirtschaft

Deutschland erhält „befriedigende“ Bewertung von Ökonomen

Deutschland erhält „befriedigende“ Bewertung von Ökonomen

Eine aktuelle Evaluation des Wirtschaftsstandorts Deutschland durch Volkswirtschaftsprofessoren wirft Schatten auf das Image der Bundesrepublik als führende Industrienation. Mit einer durchschnittlichen Benotung von 3,4 sieht Niklas Potrafke vom Ifo-Institut die Position Deutschlands im internationalen Vergleich in einer kritischen Verfassung. Die Studie des Münchner Instituts, die auf der Befragung von 180 Wirtschaftsexperten basiert, unterstreicht die Dringlichkeit von Reformen, vor allem in den Bereichen Bürokratieabbau und digitale sowie infrastrukturelle Modernisierung. Potrafke mahnte eindringlich, dass zur Belebung des Wirtschaftsstandorts keine Lockerung der Schuldenbremse erfolgen solle, sondern alternative Maßnahmen wie die Anpassung des Renteneintrittsalters an die gestiegene Lebenserwartung ergriffen werden müssten.

Die Umfrageergebnisse zeigten in neun von dreizehn Kategorien eher Schwächen als Stärken Deutschlands auf. Besonders harsche Kritik übten die Befragten in Bezug auf staatliche Regulierungen und Bürokratie – ganze 87 Prozent empfanden dies als problematisch. Weitere Baustellen sind laut der Einschätzung der Experten die Energieressourcen und die Digitalisierung sowie Lohnnebenkosten, Steuern und Infrastruktur. Das Lohnniveau selbst erfuhr hingegen eine neutrale Bewertung von etwa 75 Prozent der Teilnehmer.

Ein Lichtblick in der Einschätzung war die Qualität der politischen Institutionen Deutschlands. Hier sahen 67 Prozent der Ökonomen eine klare Stärke, hervorgehoben wurden insbesondere die funktionierende Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, wirtschaftliche Freiheit, Schutz des Eigentums und die niedrige Korruptionsrate – ein deutlicher Vorteil gegenüber autokratischen Regierungssystemen. Bildung, Humankapital, Sicherheit und geringe geopolitische Risiken, sowie der Zugang zu Finanzmitteln wurden ebenfalls mehrheitlich als Stärken bewertet.

Das Panel, das in Kooperation mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) durchgeführt wurde, zog zwischen dem 16. und dem 23. April Meinungen von 180 Professoren der Volkswirtschaftslehre heran.