Die Bilder wirken wie aus einem Hollywood-Blockbuster, doch sie markieren eine Zeitenwende in der deutschen Rüstungsindustrie. Über dem norwegischen Weltraumbahnhof Andøya riss Anfang Februar eine meterlange Rakete den Himmel auf und beschleunigte auf mörderische 7400 Kilometer pro Stunde.

Hinter diesem Coup steckt kein milliardenschwerer Rüstungskonzern, sondern das Münchner Start-up Hypersonica. Gegründet von Philipp Kerth (28) und Marc Ewenz (31), hat das Duo in weniger als zwei Jahren geschafft, woran europäische Regierungen seit Jahrzehnten scheitern: den Vorstoß in die Hyperschall-Dimension. Es ist ein beispielloser Angriff auf das technologische Monopol der USA, Russlands und Chinas.
Die Oxford-Connection bricht das Schweigen im europäischen Hyperschall-Vakuum
Die Geschichte von Hypersonica begann in den Elite-Laboren von Oxford. Kerth und Ewenz, beide Spezialisten für thermochemische Effekte bei Wiedereintrittsgeschwindigkeiten, erkannten eine fatale Lücke in der europäischen Souveränität. Während die Weltmächte bereits über manövrierfähige Hyperschallwaffen verfügen, blickte Europa bisher in die Röhre.
„Die einzige Möglichkeit, diese Technologie für Europa zur Verfügung zu stellen, ist, ein Unternehmen zu gründen, das wie ein Gravitationszentrum die wenigen Talente aufsaugt“, erklärt CEO Philipp Kerth.
Ausgründet aus dem renommierten TUM Venture Lab der TU München, versammelte das Duo innerhalb kürzester Zeit ein 50-köpfiges Elite-Team. Experten von SpaceX, Airbus und dem Verteidigungs-Einhorn Helsing wurden nach Feldkirchen gelockt, um an der HS-1 zu arbeiten. Das Ergebnis ist ein technologischer Blitzkrieg: Von der ersten Skizze bis zum erfolgreichen Einschlag im Europäischen Nordmeer vergingen gerade einmal neun Monate. Ein Tempo, das die etablierte Rüstungsindustrie wie ein Relikt aus der Postkutschenzeit wirken lässt.
Der SpaceX-Hebel: Mit 25 Millionen Euro zum globalen Player der Abschreckung
Was die Fachwelt besonders verblüfft, ist die radikale Kosteneffizienz des Start-ups. Mit nur 25 Millionen Euro an Investorengeldern – unter anderem vom US-Riesen General Catalyst und der staatlichen Agentur Sprind – hat Hypersonica ein System entwickelt, das laut Kerth bis zu 90 Prozent günstiger ist als herkömmliche Ansätze. Das Geheimnis liegt in der „Baukasten-Methode“, die man sich bei Elon Musks SpaceX abgeschaut hat: Schnelle Iterationen, radikale Vereinfachung und das konsequente Scheitern in frühen Phasen, um den perfekten Prototyp zu schleifen.

Die strategische Bedeutung kann kaum überschätzt werden. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hat die Beschaffung solcher Deep-Strike-Präzisionswaffen zur obersten Priorität erklärt. Die Raketen von Hypersonica sind keine stumpfen Geschosse; sie sind im Flug manövrierbar und damit für aktuelle Abwehrsysteme nahezu unantastbar. Bis 2029 soll das System marktreif sein und die Bundeswehr in die Lage versetzen, Bedrohungen mit chirurgischer Präzision auf enorme Distanzen auszuschalten.
Von der Kriegswaffe zur Raumfahrt: Die Dual-Use-Vision der bayerischen Raketenpioniere
Trotz des Fokus auf die Verteidigung blicken die Gründer bereits über den Tellerrand des Schlachtfelds hinaus. Hyperschall ist eine Dual-Use-Technologie. Was heute als Waffe dient, könnte morgen die Raumfahrt revolutionieren. Die kontrollierte Rückführung von Fracht aus dem Weltall in die Erdatmosphäre erfordert exakt jene thermischen Schutz- und Steuerungssysteme, die Hypersonica gerade perfektioniert. Kerth betont: „Wir sind ein Systemhaus.“ Eine Lizensierung der Technik ist ausgeschlossen; die Wertschöpfung und die Souveränität sollen in Europa bleiben.
Dass Kerth und Ewenz am Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz bereits Seite an Seite mit Verteidigungsminister Boris Pistorius und Kanzler Merz gesichtet wurden, unterstreicht den Ernst der Lage. Hypersonica ist kein Spielzeug für Technik-Nerds mehr, sondern ein zentraler Pfeiler der neuen europäischen Verteidigungsarchitektur. Wenn zwei Gen-Z-Gründer in einem blauen Kapuzenpulli die Spielregeln der globalen Abschreckung umschreiben, ist das ein Signal, das man in Moskau und Washington sehr genau verstanden hat.
Die Zukunft der europäischen Sicherheit fliegt mit Mach 6 – und sie kommt aus Bayern.

