Die jüngsten Zahlen vom Ifo-Institut zeichnen ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex rutschte um 0,9 auf 84,7 Punkte ab und erreichte damit ein Niveau, das zuletzt im Mai 2020 verzeichnet wurde. Diese Entwicklung kommt überraschend, denn Experten hatten lediglich einen marginalen Rückgang erwartet. Es sind besonders die Unsicherheiten und die strukturellen Herausforderungen im Industriesektor, die die Stimmung weiter drücken. Volkswirte wie Ulrich Kater von der Dekabank betonen die besorgniserregende Zurückhaltung bei Investitionen, während Jörg Krämer von der Commerzbank den Rückgang als unangenehme Überraschung zum Jahresausklang beschreibt. Eine echte Erholung sei noch lange nicht in Sicht, und selbst die sinkenden Zinsen der EZB könnten die Wirtschaft nicht nennenswert beleben. Die Prognosen fallen entsprechend verhalten aus, ein Wachstum von nur 0,2 Prozent gilt für 2025 als wahrscheinlich. Auch die geopolitischen Unsicherheiten tragen ihren Teil zur schwermütigen Stimmung bei. Christian Lips von der NordLB weist auf die fehlende politische Stabilität hin, die Unternehmen zusätzlich belastet. Während sich die gegenwärtige Lage minimal verbessert zeigt, sind die Erwartungen weiterhin gedämpft, ergänzt Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. Die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Trendwende bleibt in weiter Ferne. Für Thomas Gitzel von der VP Bank steht fest: In der nächsten Zeit ist wenig Optimismus angesagt. Der gegenwärtige konjunkturelle Ausblick bleibt trüb, und eine Trendwende scheint auch im kommenden Jahr höchst unwahrscheinlich. Hoffnungsschimmer in wirtschaftlicher Form gibt es zum Jahreswechsel leider nicht.
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Deutsche Wirtschaft in melancholischer Winterstimmung: Ifo-Geschäftsklima auf Talfahrt