29. November, 2025

Deutsche Börse prüft den größten Zukauf ihrer Geschichte

Stephan Leithner eröffnet seine Amtszeit mit einem Mammutprojekt: Der Dax-Konzern verhandelt über die Übernahme von Allfunds für 5,3 Milliarden Euro – ein Schritt, der die Machtbalance im europäischen Fondsmarkt verschieben würde.

Deutsche Börse prüft den größten Zukauf ihrer Geschichte
Die Deutsche Börse prüft die größte Übernahme ihrer Geschichte: Allfunds steht für 5,3 Milliarden Euro zur Debatte.

Ein neuer CEO setzt früh ein strategisches Signal

Stephan Leithner ist erst seit Jahresbeginn Vorstandschef der Deutschen Börse, doch sein erster potenzieller Großdeal würde alle bisherigen Zukäufe des Konzerns übertreffen. Die Frankfurter verhandeln über den Erwerb der Fondsverwaltungsplattform Allfunds – ein Unternehmen, das seit Jahren auf der Beobachtungsliste des Börsenbetreibers steht. Mit einem möglichen Preis von 5,3 Milliarden Euro wäre es die größte Übernahme, die die Deutsche Börse je gestemmt hat.

Der Konzern will 8,80 Euro je Aktie bieten, hälftig in bar und hälftig in eigenen Aktien. Hinzu käme eine Dividende von 20 Cent pro Anteilsschein für das Geschäftsjahr 2025. Die Märkte reagierten sofort: Während die Aktie der Deutschen Börse fast zwei Prozent zulegte, sprang Allfunds in Amsterdam um mehr als 20 Prozent nach oben.

Ein Deal mit Bedeutung für den europäischen Kapitalmarkt

Leithner verknüpft den möglichen Zusammenschluss mit einem größeren industriepolitischen Anspruch. Die Integration von Allfunds würde ein paneuropäisches Fondsökosystem schaffen, argumentiert der Konzern – eine Struktur, die die fragmentierte Investmentlandschaft Europas zusammenführen und die Mobilisierung privaten Kapitals erleichtern soll. Die Botschaft: Wer ein funktionierendes Kapitalmarktmodell nach US-Vorbild in Europa will, kommt um größere Plattformen nicht herum.

Allfunds würde die Wertschöpfungskette der Deutschen Börse im Fondsgeschäft deutlich erweitern. Der Bereich ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat mit Übernahmen wie Swisscanto (2018) oder dem später vollständig übernommenen UBS-Fondsvertriebsarm bereits früh an strategischer Bedeutung gewonnen.

Mit Allfunds ließe sich dieses Segment in eine neue Größenordnung führen – stärker integriert, weniger abhängig von Marktschwankungen und besser positioniert für den europäischen Wettbewerb.

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Der Weg zu einer verbindlichen Offerte bleibt riskant

Noch ist der Deal alles andere als sicher. Die Deutsche Börse betont, dass ein offizielles Angebot von mehreren Bedingungen abhängt: Eine zufriedenstellende Prüfung der Allfunds-Bücher, die Finalisierung der Transaktionsunterlagen sowie die Zustimmung der Gremien beider Unternehmen. Vor allem die Due-Diligence-Phase könnte zur Belastungsprobe werden – Fondsplattformen gelten operativ als komplex, und die Profitabilität hängt stark von Skalierungseffekten ab.

Auch die Eigentümerstruktur spielt eine Rolle. Allfunds wird maßgeblich vom Finanzinvestor Hellman & Friedman kontrolliert, der 2020 noch auf einer deutlich höheren Bewertung bestanden hatte. Heute liegt der Marktwert knapp unter fünf Milliarden Euro – ein Niveau, das den Verkaufsprozess begünstigen dürfte.

Ein zweiter Versuch mit besseren Vorzeichen

Die Deutsche Börse hatte Allfunds bereits früher im Blick. Leithners Vorgänger, Theodor Weimer, verzichtete 2020 jedoch auf ein Angebot. Seither hat sich der Markt gedreht: Die Bewertung ist moderater, und der Eigentümer zeigt sich laut Insidern deutlich gesprächsbereiter. Das Umfeld für einen erneuten Anlauf wirkt damit günstiger als vor fünf Jahren.

Hinzu kommt die strategische Zielsetzung, die Leithner am 10. Dezember auf dem Kapitalmarkttag vorstellen will. Ein großer Deal im Fondsgeschäft würde seine Agenda früh klarer konturieren: weniger zyklische Abhängigkeit von Handelsvolumina, mehr planbare Erlöse aus daten- und dienstleistungsgetriebenen Geschäftsbereichen.

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Die Börse argumentiert mit Skaleneffekten und technischer Schlagkraft

In der offiziellen Kommunikation stellt die Deutsche Börse die potenziellen Effizienzgewinne heraus. Eine kombinierte Plattform soll Kostensynergien schaffen, technologische Innovationen beschleunigen und den EU-Aktienmärkten einen Schub geben. Das Versprechen lautet: Eine größere Einheit kann Standardisierung vorantreiben, den Vertrieb digitalisieren und die Fondsbranche in Europa langfristig wettbewerbsfähiger machen.

Es wäre zugleich ein Schritt, der den Dax-Konzern unabhängiger vom Tagesgeschäft an den Märkten macht. Die bisher bedeutendste Übernahme – der 3,9 Milliarden Euro schwere Kauf des dänischen Softwarehauses Simcorp – hat diese Entwicklung bereits sichtbar eingeleitet. Allfunds würde die Linie noch konsequenter fortsetzen.

Die europäische Fondsbranche steht vor einer neuen Konsolidierungsrunde

Die Branche ist stark zersplittert, geprägt von nationalen Strukturen und heterogenen Vertriebswegen. Eine Plattform, die Fondsanbieter, Banken und Anleger europaweit vernetzt, hätte eine marktprägende Stellung – und könnte die Regeln für einheitliche Produkte und Prozesse neu definieren. Genau darauf zielt das Narrativ der Deutschen Börse. Sie will nicht nur wachsen, sondern Infrastruktur gestalten.

Ob dieser Anspruch Realität wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Gelingt der Durchbruch, zählt der Deal zu den wenigen europäischen Transaktionen, die den schnellen Wandel im Fondsgeschäft tatsächlich abbilden. Scheitert er, fällt Leithners Start dennoch nicht ins Leere – die Agenda ist gesetzt, und sie zielt klar auf Größe.

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