Deutsche Banken scheinen für die Herausforderungen durch die aktuellen Krisensituationen auf den Büro- und Handelsimmobilienmärkten gut gewappnet. Zu dieser positiven Einschätzung gelangt Raimund Röseler, der oberste Bankenaufseher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), im Rahmen einer renommierten Wirtschaftstagung des "Handelsblatts". Laut Röseler könnten die Herausforderungen gemeistert werden, da die hiesigen Finanzinstitute eine solide Kapitaldecke aufweisen, vorausgesetzt, sie pflegen ein angemessenes Risikomanagement und eine solide Unternehmensführung.
Nicht zu übersehen ist jedoch, dass die veränderten Arbeitsgewohnheiten, die eine geringere Nachfrage nach Büroflächen zur Folge haben, zusammen mit der Pleite der Immobilien- und Handelsgruppe Signa, zu Verwerfungen auf dem Immobilienmarkt führen. Die Ende November 2023 angemeldete Insolvenz der Signa Holding sowie ihrer Schwesterunternehmen, hinter denen der österreichische Geschäftsmann René Benko steht, bringt auch deutsche Banken in eine geschärfte Riskolage, woraufhin diese bereits vorsorglich Rückstellungen für möglicherweise ausfallende Kredite bilden.
Röseler räumt ein, dass insbesondere der US-amerikanische Markt für Gewerbeimmobilien Anlass zur Sorge gibt, wo allerdings nur ein begrenzter Kreis deutscher Banken aktiv sei. Im Inland seien die Märkte ebenfalls angeschlagen; einzelne Banken könnten sich hier stark exponiert haben. Dennoch hält er fest, dass die existentielle Gefährdung der Institute die Ausnahme darstellt.
Der Vertreter der Bafin rechnet für das laufende Jahr mit einer normalisierenden Anstiegstendenz bei Kreditausfällen, nachdem die Ausfallquoten über Jahre hinweg auffällig gering waren. Dies stellt für einige Institute zwar eine schmerzhafte Entwicklung dar, birgt aber nach Einschätzung des erfahrenen Aufsehers kein Potential, eine neue Finanzkrise auszulösen.