Die Deutsche Bank plant eine weitreichende Umstrukturierung ihres Privatkundengeschäfts, die bis Ende 2026 eine Schließung von rund 100 Filialen vorsieht. Diese Entscheidung ist Teil einer umfassenden Strategie zur Förderung der Digitalisierung und zur Optimierung bestehender Geschäftsprogramme. Claudio de Sanctis, Mitglied des Vorstandes für das Privatkundengeschäft, betont in einem Interview die Relevanz dieser Maßnahme, die darauf abzielt, die Anzahl der Filialen auf ein bedarfsgerechtes Niveau zu reduzieren. Gegenwärtig betreiben die Deutsche Bank und die Postbank in Deutschland zusammen etwa 750 Filialen. Trotz der fortschreitenden Digitalisierung bekräftigt de Sanctis seine Unterstützung für das Filialgeschäft. Jedoch sollen diese Standorte umstrukturiert werden, um den Fokus weg von Verwaltungsarbeiten hin zur intensiveren Kundenberatung zu lenken.
Im Rahmen dieses Transformationsprozesses sollen Routineaufgaben zunehmend auf digitale Kanäle verlagert werden. Dies wird den Mitarbeitern ermöglichen, mehr Zeit und Ressourcen in den direkten Kundenkontakt zu investieren. Ein bedeutendes Element dieser digitalen Transformation ist die Entwicklung einer fortschrittlichen künstlichen Intelligenz durch die Deutsche Bank, die als digitaler Assistent fungieren wird. Dieser Assistent soll Kunden bei der Nutzung neuer digitaler Angebote, wie der kürzlich aktualisierten mobilen App, unterstützend zur Seite stehen. Die Bank verfolgt das Ziel, die App-Nutzung, die in den letzten 18 Monaten bereits um 20 Prozent gestiegen ist, weiter signifikant zu steigern. Mit einer beachtlichen Privatkundenbasis von 19 Millionen Menschen in Deutschland strebt die Bank an, einen Großteil dieser Kundschaft durch die App zu erreichen.
In der Vision von de Sanctis bleibt die Rolle der Bankfilialen unerlässlich, insbesondere für die persönliche Beratung bei komplexen Finanzfragen, die nicht vollständig online gelöst werden können. Solche Beratungsgespräche umfassen oft Themen wie den Kauf von Immobilien oder umfangreiche Investitionen. Während der digitale Assistent dazu dient, alltägliche Bankanfragen zu beantworten, werden Filialen weiterhin als wichtige Anlaufstellen für bedeutendere finanzielle Angelegenheiten betrachtet. Parallel zur Umstrukturierung prognostiziert de Sanctis jedoch einen Rückgang des Personalbedarfs. Dieser soll vorzugsweise durch natürliche Fluktuation, wie etwa Altersaustritte, realisiert werden, um den Anpassungsprozess sozialverträglich zu gestalten.