Es ist vollbracht und die Zahlen lügen nicht. Die Markthierarchie hat sich verschoben, und der einstige König wankt.
Seit Mittwoch ist es offiziell: Alphabet ist wertvoller als Apple. Mit einer Marktkapitalisierung von 3,89 Billionen Dollar hat der Mutterkonzern von Google den iPhone-Hersteller vom Thron gestoßen. Der Vorsprung beträgt bereits satte 30 Milliarden Dollar. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer fundamentalen Neubewertung, die viele Anleger verschlafen haben.
Die Wall Street hat das Potenzial von Alphabet vollkommen unterschätzt
Wer in den letzten zwölf Monaten auf den Chiphersteller Nvidia setzte, mag sich schlau gefühlt haben. Doch die Realität sieht anders aus.
Nvidia lieferte ein Plus von knapp 20 Prozent. Alphabet hingegen schoss um fast 50 Prozent nach oben. Das ist eine Performance, die selbst die größten Optimisten überrascht hat.
Dabei galt Alphabet noch vor kurzem als der große Verlierer der KI-Revolution. Die Angst ging um, ChatGPT würde die klassische Google-Suche obsolet machen und das Werbegeschäft implodieren lassen. Diese These war logisch, aber sie war falsch. Der Markt hat die Widerstandsfähigkeit und Innovationskraft des Suchmaschinen-Giganten massiv unterschätzt.
Reale Gewinne schlagen reine KI-Fantasien bei weitem
Die apokalyptischen Szenarien für das Anzeigengeschäft haben sich in Luft aufgelöst. Die Einnahmen aus der Google-Suche und YouTube sprudeln stärker denn je.
Noch beeindruckender ist jedoch die Entwicklung in der Cloud-Sparte. Hier verzeichnet Alphabet ein monströses Quartalswachstum von knapp 90 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar. Das operative Geschäft läuft nicht nur, es rennt. Und der vermeintliche Rückstand im KI-Bereich hat sich in einen Vorsprung verwandelt.
Mit dem Start der neuesten Version von Gemini im November hat Alphabet bewiesen, dass es OpenAI nicht nur das Wasser reichen, sondern den Pionier möglicherweise überholen kann.
Finanzielle Stärke macht Alphabet zum sichersten Hafen im Tech-Sektor
Technologie kostet Geld, und KI kostet noch mehr Geld. Die Investitionsausgaben, der sogenannte Capex, haben sich seit 2023 fast verdreifacht und belaufen sich auf knapp 90 Milliarden Dollar.
Viele Unternehmen würden unter dieser Last zusammenbrechen. Nicht so Alphabet. Trotz dieser Mammut-Investitionen bleiben voraussichtlich 65 Milliarden Dollar als freie Mittel in der Kasse. Das ist etwa die Hälfte des erwarteten Nettogewinns für 2025.
Gleichzeitig reduziert der Konzern seine Nettoverschuldung aggressiv. Von 99 Milliarden Dollar im Jahr 2022 soll diese bis Ende des Jahres auf 70 Milliarden Dollar sinken.
Die Bewertung ist im Vergleich zur Konkurrenz geradezu lächerlich günstig
Selbst nach der jüngsten Rally ist die Aktie kein überteuertes Hype-Papier. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 31,5 ist Alphabet günstiger bewertet als der breite Nasdaq-Tech-Index mit 35,8.
Auch im direkten Duell sticht Alphabet den Rivalen aus Cupertino aus. Apple handelt mit einem KGV von 34,8 deutlich teurer, kämpft aber gleichzeitig mit Absatzschwächen in China. Die Analysten sind sich einig wie selten: Von 67 Experten raten 44 zum Kauf, kein einziger empfiehlt einen Verkauf.
Während Apple mit Problemen kämpft, treibt die KI-Fantasie den Alphabet-Kurs weiter. Wer jetzt nicht investiert, ignoriert die Fakten.