12. Januar, 2026

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Der 50-Milliarden-Verrat: Brüssel opfert Frankreichs Bauern für deutschen Wohlstand

Nach 25 Jahren Hängepartie drückt die EU den Mercosur-Deal durch. Während die deutsche Industrie jubelt, steht Emmanuel Macron vor den Trümmern seiner Europapolitik.

Der 50-Milliarden-Verrat: Brüssel opfert Frankreichs Bauern für deutschen Wohlstand
Nach 25 Jahren: Der Mercosur-Pakt kommt. Milliarden-Chancen für den Export, Wut bei den Bauern. Die Hintergründe.

Brüssel hat vollendete Tatsachen geschaffen. Am späten Freitagnachmittag endete in den Hinterzimmern der EU-Hauptstadt ein diplomatisches Tauziehen, das über zwei Jahrzehnte andauerte. Die Vertreter der EU-Staaten stimmten mehrheitlich für das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay.

Für EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist es ein Triumph des Willens über den Widerstand. Sie wird bereits in der kommenden Woche nach Paraguay reisen, um die Unterschriften unter ein Vertragswerk zu setzen, das geopolitisch längst überfällig, aber innenpolitisch hochbrisant ist.

Das Ergebnis der Abstimmung ist eine klare Kampfansage an den Protektionismus. Es markiert aber auch eine drastische Verschiebung der Machtachsen innerhalb der Union zu Ungunsten Frankreichs.

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Die deutsche Exportwirtschaft profitiert massiv von der neuen Freihandelszone.

Die ökonomischen Dimensionen dieses Deals sind gewaltig und erklären den immensen Druck, den Berlin zuletzt aufgebaut hat. Mit dem Abkommen entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt, die rund 700 Millionen Menschen und ein Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung umfasst.

Für die deutsche Industrie, die unter hohen Energiepreisen und bürokratischen Fesseln leidet, wirkt der Abschluss wie ein Befreiungsschlag. Exportstarke Branchen erhalten endlich den Marktzugang, den sie seit Jahren fordern. Prognosen der EU-Kommission beziffern das Wachstumspotenzial der europäischen Ausfuhren in die Region bis zum Jahr 2040 auf satte 50 Milliarden Euro.

Entsprechend erleichtert reagierten die Wirtschaftsverbände. Tanja Gönner vom BDI sprach von einem „wichtigen Erfolg“ und einem „starken Signal für den Freihandel“. Auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sieht darin den Beweis, dass Europa gewillt ist, global mitzugestalten statt nur zuzuschauen.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete den Beschluss als „Meilenstein“, konnte sich jedoch eine Spitze gegen die ineffizienten Brüsseler Mühlen nicht verkneifen: „25 Jahre Verhandlungen waren zu lang.“

Frankreichs Präsident scheitert krachend am diplomatischen Widerstand aus Rom und Berlin.

Der eigentliche Verlierer des Freitags sitzt im Élysée-Palast. Emmanuel Macron hatte bis zur letzten Minute versucht, eine Sperrminorität gegen das Abkommen zu organisieren. Sein Widerstand war nicht ideologisch, sondern dem nackten politischen Überleben geschuldet.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Von der Leyen gelang es, die italienische Regierung mit Zugeständnissen und Finanzhilfen auf ihre Seite zu ziehen. Ohne Rom an seiner Seite stand Paris isoliert da. Zwar stimmten auch Polen, Österreich, Ungarn und Irland mit „Nein“, doch das reichte mathematisch nicht aus, um den Deal zu blockieren.

Macron beugte sich am Ende dem innenpolitischen Druck und stimmte gegen das Abkommen, wohlwissend, dass seine Stimme wirkungslos bleiben würde. Es ist eine diplomatische Demütigung, die seine Position in Brüssel nachhaltig schwächen wird.

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Brüssel erkauft die Zustimmung mit teuren Geschenken an die Agrarlobby.

Um den Deal über die Ziellinie zu retten, musste die EU-Kommission tief in die regulatorische Trickkiste greifen. Die Angst der europäischen Landwirte vor billigem Rindfleisch und Zucker aus Südamerika wurde nicht durch Argumente, sondern durch protektionistische Klauseln beruhigt.

Eine neu beschlossene „Notbremse“ sieht vor, dass automatisch Schutzzölle erhoben werden, sobald der Marktpreis empfindlicher Produkte nach Inkrafttreten des Abkommens um mehr als fünf Prozent fällt. Das ist ein bemerkenswerter Eingriff in den freien Markt, der den eigentlichen Geist eines Freihandelsabkommens konterkariert.

Zusätzlich ging die Kommission bei Umweltstandards in die Defensive. Der CO₂-Preis für importierten Stickstoffdünger soll ausgesetzt werden, und Rückstandsgrenzwerte für in der EU verbotene Pestizide werden angepasst. Diese Maßnahmen sind ein klares Eingeständnis, dass der Deal ohne massive Beruhigungspillen für den Agrarsektor politisch nicht durchsetzbar war.

Die politische Instabilität in Paris bedroht nun die Handlungsfähigkeit der gesamten Union.

Während in Berlin die Sektkorken knallen, brennt in Paris die Hütte. Die Ratifizierung des Abkommens liefert den radikalen Rändern in Frankreich neue Munition. Sowohl der rechtsnationale Rassemblement National unter Jordan Bardella als auch die linke LFI haben Misstrauensanträge gegen die Regierung angekündigt.

Macron wird vorgeworfen, die Interessen der französischen Landwirte nicht ausreichend verteidigt zu haben. Die Bauernverbände haben bereits neue Protestwellen angekündigt. Sollte die französische Regierung über dem Mercosur-Streit stürzen, droht Europa eine Phase der Lähmung, die sich der Kontinent angesichts der globalen Lage nicht leisten kann.

Finanzminister Lars Klingbeil betonte zwar das Potenzial für Arbeitsplätze, doch der Preis für diesen wirtschaftlichen Impuls ist eine tiefe politische Spaltung zwischen den beiden wichtigsten Volkswirtschaften der Eurozone.

Das Abkommen ist durch, doch der politische Flurschaden ist immens. Die EU hat gezeigt, dass sie handlungsfähig ist – aber auch, dass sie bereit ist, nationale Befindlichkeiten eines Kernlandes zu überrollen, wenn der ökonomische Druck groß genug ist.

Export-Kollaps: Deutschlands Wirtschaft rast ungebremst auf den Abgrund zu
Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind ein Schock. Ein Minus von 2,5 Prozent straft alle Prognosen Lügen – und die Hoffnung auf Besserung ist tot.