Micron zementiert seine Marktmacht mit einer aggressiven Übernahme in Taiwan
In einem strategischen Schachzug, der die Halbleiterindustrie aufhorchen lässt, hat Micron Technology (MU.O) eine verbindliche Absichtserklärung unterzeichnet, um den P5-Fabrikationsstandort der Powerchip Semiconductor Manufacturing Corp (PSMC) in Tongluo, Taiwan, zu übernehmen. Der Kaufpreis von 1,8 Milliarden US-Dollar wird vollständig in bar entrichtet. Diese Akquisition unterstreicht Microns Ambition, seine physische Präsenz im Epozentrum der globalen Chipfertigung weiter auszubauen.
Die Marktreaktion erfolgte prompt und volatil. Die Aktien von Powerchip (6770.TW) sprangen am Montag um fast 10 Prozent nach oben, getrieben von der Aussicht auf frisches Kapital und technologische Kooperationen. Micron, dessen Aktienkurs bereits im Jahr 2025 um bemerkenswerte 240 Prozent gestiegen war, setzt mit diesem Deal ein klares Signal gegen den breiteren Chip-Index, der im gleichen Zeitraum lediglich 42 Prozent zulegte.

Der Kapazitätsausbau zielt präzise auf die Behebung des globalen Speicherengpasses ab 2027
Der Deal umfasst den Erwerb von rund 300.000 Quadratfuß Reinraumfläche (Cleanroom Space), einer kritischen Ressource für die hochkomplexe Fertigung von Halbleitern. Micron plant, diese Kapazitäten zu nutzen, um die Produktion von Dynamic Random Access Memory (DRAM) ab der zweiten Jahreshälfte 2027 phasenweise hochzufahren. CEO Sanjay Mehrotra prognostizierte bereits im Vormonat, dass die Speichermärkte auch über 2026 hinaus angespannt bleiben werden.
Analysten der Firma TrendForce bewerten den Schritt als signifikanten Eingriff in die Angebotsseite. Sie erwarten, dass die Kapazitätserweiterung durch die Tongluo-Fabrik im zweiten Halbjahr 2027 einem Äquivalent von mehr als 10 Prozent der globalen Kapazität Microns aus dem vierten Quartal 2026 entsprechen wird. Dies schafft den nötigen Raum für eine Aufwärtskorrektur des globalen DRAM-Angebots.

Der Kampf um High Bandwidth Memory entscheidet die Zukunft der KI-Infrastruktur
Hinter der Akquisition steht der erbitterte Wettlauf um High Bandwidth Memory (HBM), eine Schlüsselkomponente für moderne KI-Beschleuniger. Micron ist neben Samsung und SK Hynix einer der nur drei globalen Hauptlieferanten dieser Technologie. Die Übernahme der Powerchip-Anlage ist daher nicht nur eine Kapazitätsfrage, sondern eine defensive und offensive Maßnahme zur Sicherung von Marktanteilen im KI-Sektor.
Teil der Vereinbarung ist zudem eine langfristige Foundry-Partnerschaft. Micron wird Powerchip bei der Verbesserung spezieller DRAM-Prozesstechnologien unterstützen, während Powerchip als Foundry-Partner für Microns Advanced-Packaging-Wafer fungiert. Der Abschluss der Transaktion wird, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen, für das zweite Quartal 2026 erwartet.

